Eigentlich soll die gamescom jedes Jahr ein Fest für die Gaming-Community sein: neue Spiele, große Ankündigungen, glänzende Augen bei Fans und Entwicklern gleichermaßen. Doch die Ausgabe 2026 hinterlässt bei etlichen Ausstellern einen bitteren Nachgeschmack. Mehrere Indie-Studios berichten übereinstimmend, dass ihre Stände über Nacht ausgeräumt wurden. Laptops, ein Steam Deck und weitere teure Präsentationshardware sind spurlos verschwunden. Für einige der Betroffenen bedeutete das sogar das vorzeitige Ende ihres Messeauftritts. Die Vorfälle werfen nun eine unangenehme Frage auf: Hat die Kölner Messe ein grundsätzliches Sicherheitsproblem?

Besuchermassen stürmen die Gamescom Foto: Thomas Klerx
Eine Diebstahlserie, die mehrere Hallen betrifft
Die Diebstähle ereigneten sich Berichten zufolge über gleich zwei Nächte hinweg und zogen sich durch mehrere Bereiche der Messe. Besonders betroffen waren Halle 4.1, in der sich die Business Area befindet, sowie Halle 10.2 im Indie-Bereich. An beiden Orten verschwanden über Nacht Geräte, obwohl das Gelände offiziell durch uniformiertes Sicherheitspersonal und externe Dienstleister überwacht wird.
Zu den bekanntesten Opfern zählt der britische Solo-Entwickler Ryan Laley, der auf der gamescom sein Asymmetrical-Survival-Horrorspiel „Mimic“ vorstellen wollte. In einem emotionalen Video meldete er sich sichtlich mitgenommen zu Wort: Sein Stand in Halle 4.1 sei über Nacht komplett leergeräumt worden. Die Täter ließen zwar die Ladekabel zurück, nahmen jedoch sämtliche Laptops mit. Für Laley bedeutete das nicht nur einen finanziellen Verlust, sondern auch das abrupte Ende seiner geplanten Demo-Sessions. Er habe den Vorfall sowohl der Veranstaltungsleitung als auch dem Sicherheitsdienst und der Polizei gemeldet.
Auch bekannte Namen betroffen
Nicht nur kleine Indie-Teams traf es hart. Der Publisher iam8bit teilte mit, dass aus seinem Bereich in Halle 4.1 zwei Notebooks gestohlen wurden. Auf den Geräten befanden sich unter anderem unveröffentlichte Testversionen von „Petal Runner“ und „Escape Academy 2″. Auf X äußerte sich das Unternehmen besorgt darüber, dass durch den Diebstahl nun unfertige Versionen dieser Spiele an die Öffentlichkeit gelangen könnten.
Ebenso erwischte es das spanische Studio Tessera Studios im Indie-Bereich der Halle 10.2. Dort brachen die Täter einen verschlossenen Schrank auf und entwendeten zwei Laptops sowie ein Steam Deck, das eigentlich zur Präsentation des Spiels „The Zibbo Show“ dienen sollte. Neben den Messedemos befanden sich auf den Geräten offenbar auch vertrauliche Unternehmensdaten.
Wie reagiert die Kölnmesse?
Der Veranstalter hat sich inzwischen zu den Vorfällen geäußert und erklärt, man nehme die Berichte sehr ernst und könne die Frustration der betroffenen Aussteller nachvollziehen, gerade weil auch Indie-Entwickler betroffen seien. Alle gemeldeten Fälle seien sowohl der Messeleitung als auch der Polizei mitgeteilt worden, die Ermittlungen liefen bereits.
Gleichzeitig macht die Koelnmesse deutlich, wo aus ihrer Sicht die Grenzen der eigenen Verantwortung liegen. Die reguläre Hallensicherung umfasse keine individuelle Bewachung einzelner Stände. Wer eine persönliche Standwache wünsche, könne diese gegen Aufpreis separat buchen. Zudem werde Ausstellern empfohlen, ihre Ausrüstung gegen Diebstahl zu versichern. Diese Regelung sei in den Teilnahmebedingungen sowie den technischen Richtlinien der gamescom festgehalten, in denen es unter anderem heißt, dass der Veranstalter keine Haftung für den Verlust von Gegenständen und Wertgegenständen übernehme, die von Ausstellern oder Dritten eingebracht werden. Aus Sicht der Messe handle es sich zudem bislang um einzelne Fälle.

In der „Indie Area“ können vor allem kleine Entwickler ihre Spiele präsentieren
Kritik von betroffenen Entwicklern
Diese Argumentation stößt bei vielen Betroffenen auf wenig Verständnis. Gerade kleine Indie-Teams könnten sich eine eigene, kostenpflichtige Standbewachung schlicht nicht leisten, so ein häufig geäußerter Kritikpunkt. Für sie sei die Investition in die Messeteilnahme ohnehin schon eine finanzielle Kraftanstrengung, zusätzliche Sicherheitskosten würden viele kleinere Studios schlicht überfordern. Die Kritik richtet sich damit weniger gegen einzelne Sicherheitskräfte, sondern gegen ein System, das die Verantwortung für den Schutz teurer Ausrüstung stark auf die Aussteller selbst verlagert, obwohl die Messehallen offiziell als gesichertes Gelände gelten.
Positive Signale aus der Branche
Immerhin gibt es auch eine ermutigende Entwicklung: Nach Bekanntwerden der Vorfälle meldeten sich mehrere große Unternehmen aus der Tech- und Gaming-Branche bei den betroffenen Studios. Firmen wie AMD, Alienware und CD Projekt Red boten unbürokratische Unterstützung an, um den entstandenen Hardware-Ausfall möglichst schnell durch neue Geräte zu kompensieren. Diese Welle der Solidarität aus der Community und der Industrie dürfte den betroffenen Entwicklern zumindest ein Stück weit über den Schock hinweghelfen, auch wenn der ursprüngliche Zeitplan für viele von ihnen dennoch durcheinandergeraten ist.
Was Aussteller aus den Vorfällen lernen können
Für zukünftige Messeauftritte, egal ob auf der gamescom oder anderen Branchenevents, lassen sich aus den Vorfällen einige klare Lehren ziehen. Wichtige Geräte sollten nach Messeschluss möglichst nicht über Nacht im Stand verbleiben, sondern entweder mitgenommen oder in fest verankerten, massiven Tresoren verstaut werden. Eine vollständige Verschlüsselung der Datenträger, etwa über Tools wie BitLocker, gilt zudem als unerlässlich, um sensible Firmengeheimnisse und unveröffentlichte Spielinhalte zu schützen, selbst wenn Hardware doch einmal gestohlen wird. Auch physische Sicherungen wie Kensington-Schlösser können Gelegenheitsdiebstähle während des laufenden Messebetriebs zumindest erschweren. Wer es sich leisten kann, sollte über eine zusätzliche, individuell gebuchte Standbewachung nachdenken, gerade in publikumsstarken Bereichen wie der Business- oder Indie-Area.
Fazit: Ein Imageproblem für die größte Gaming-Messe der Welt
Die gamescom versteht sich als die größte Gaming-Messe der Welt und genießt international einen exzellenten Ruf. Umso schwerer wiegen Vorfälle wie diese, gerade weil sie ausgerechnet kleine, oft chronisch unterfinanzierte Indie-Studios treffen, für die ein gestohlener Laptop mitunter existenzbedrohend sein kann. Ob es sich, wie von der Koelnmesse betont, tatsächlich nur um Einzelfälle handelt oder ob hier ein strukturelles Sicherheitsproblem sichtbar wird, dürfte auch die kommenden Ausgaben der Messe entscheidend prägen. Für viele Aussteller steht schon jetzt fest: Ohne zusätzliche Eigenvorsorge sollte künftig niemand mehr wertvolle Hardware unbeaufsichtigt in den Hallen zurücklassen.



















