Die DLC-Flut ist real: Wer heute in ein älteres Paradox-Spiel einsteigen will, steht vor einer Wand aus Erweiterungen. Meine These: Das Problem ist nicht, dass es so viele DLC gibt, sondern dass sie das Grundspiel nach und nach umbauen und Neueinsteiger keinen klaren, bezahlbaren Einstieg mehr finden. Die DLC-Flut bei Paradox & Co. hat eine Grenze überschritten.
Ich liebe Grand-Strategy-Spiele. Ich habe Nächte in Europa Universalis IV verbracht und in Stellaris Imperien hochgezogen. Gerade deshalb ärgert es mich, wie schwer es inzwischen ist, Freunden diese Spiele zu empfehlen. Denn die erste Frage ist nie „Macht das Spaß?“, sondern „Welche DLC brauche ich?“. Ich habe mir die Zahlen angeschaut, alle direkt aus dem Steam-Shop (Stand: 3. November 2026, Steam-Shop Deutschland).
Die Zahlen: So groß ist die DLC-Flut bei Paradox wirklich
Für jedes Spiel habe ich gezählt, wie viele Zusatzinhalte Steam zum Grundspiel führt, und die regulären Einzelpreise (ohne Rabatt) aller aktuell einzeln kaufbaren DLC addiert. In den Listen stecken auch Soundtracks, Kosmetikpakete und Kleinkram, das gehört aber genauso zum Angebot.
- Europa Universalis IV (Steam): Grundspiel 49,99 €, 33 Zusatzinhalte, davon 29 einzeln kaufbar für zusammen 375,21 €
- Stellaris (Steam): Grundspiel 49,99 €, 32 Zusatzinhalte, davon 25 einzeln kaufbar für zusammen 400,75 €
- Crusader Kings III (Steam): Grundspiel 49,99 €, 33 Zusatzinhalte, davon 27 einzeln kaufbar für zusammen 428,73 €
- Hearts of Iron IV (Steam): Grundspiel 49,99 €, 24 Zusatzinhalte, davon 24 einzeln kaufbar für zusammen 274,76 €
- Cities: Skylines (Steam): Grundspiel 27,99 €, 79 Zusatzinhalte, davon 73 einzeln kaufbar für zusammen 479,28 €
- Die Sims 4 (Steam): Grundspiel kostenlos, 115 Zusatzinhalte, davon 115 einzeln kaufbar für zusammen 1.610,85 €
Diese Summen bezahlt natürlich niemand auf einen Schlag, Steam-Sales und Bundles drücken den Preis teils deutlich. Aber sie zeigen die Größenordnung: Bei Cities: Skylines kostet das Grundspiel 27,99 €, die einzeln kaufbaren Zusatzinhalte zusammen 479,28 €. Das ist mehr als das 17-Fache.

Europa Universalis IV und Stellaris: Wenn DLC das Grundspiel umbauen
Europa Universalis IV erschien laut Steam am 13. August 2013, Stellaris am 9. Mai 2016. Beide Spiele werden seit fast einem Jahrzehnt oder länger weiterentwickelt, und das ist erst einmal etwas Gutes. Kaum ein anderer Publisher pflegt seine Spiele so lange.
Das Problem: Paradox verzahnt kostenlose Patches und kostenpflichtige DLC eng miteinander. Mit jeder Erweiterung kommt meist ein Gratis-Update, das Systeme fürs Grundspiel umbaut. Die passenden Mechaniken, die das neue System erst richtig rund machen, stecken dann aber im DLC. Für mich fühlt sich das Grundspiel deshalb über die Jahre nicht vollständiger an, sondern eher wie ein Gerüst, an dem die besten Teile fehlen.

Crusader Kings III und Hearts of Iron IV: Die Einstiegshürde wächst
Crusader Kings III kam am 1. September 2020 auf Steam heraus und liegt bei der Summe der DLC-Preise inzwischen sogar vor Europa Universalis IV. Hearts of Iron IV (Release laut Steam am 6. Juni 2016) hat einen besonderen Haken: Viele Länder-Packs bringen eigene Fokusbäume. Wer ein bestimmtes Land mit seinem vollen Inhalt spielen will, muss oft gezielt den passenden DLC kaufen.
Für Veteranen ist die DLC-Flut kein Drama, sie kaufen Stück für Stück, oft im Sale. Für Neueinsteiger ist es eine echte Hürde. Ich habe noch keinen Freund erlebt, der sich vor dem Kauf nicht durch Reddit-Threads und Kaufempfehlungen wühlen musste, um zu verstehen, was wirklich wichtig ist und was nicht. Genau das sollte ein Shop eigentlich selbst klar beantworten.

Cities: Skylines und Die Sims 4: Die DLC-Flut im Extrem
Den Rekord in meiner Liste hält Cities: Skylines mit 79 Zusatzinhalten. Vieles davon sind Radiosender und kleine Content Creator Packs, also optional. Trotzdem zeigt die Zahl, wie sehr sich das Modell verselbstständigt hat. Beim Nachfolger Cities: Skylines II führt Steam bereits 30 Zusatzinhalte, gut drei Jahre nach dem Release.
Außerhalb von Paradox ist Die Sims 4 das Paradebeispiel. Das Grundspiel ist auf Steam kostenlos, die 115 dort gelisteten Zusatzinhalte kosten einzeln zusammen 1.610,85 €. Ich finde den kostenlosen Einstieg ehrlich gesagt fair. Aber wer das Spiel so erleben will, wie es in der Werbung aussieht, kauft am Ende ein Vielfaches eines Vollpreisspiels. Mehr zur allgemeinen DLC-Politik der Branche habe ich übrigens schon in diesem Meinungsartikel aufgeschrieben.

Es geht auch anders: Factorio, Frostpunk und Co.
Dass es auch ohne DLC-Flut geht, zeigen andere Aufbau- und Strategiespiele. Factorio hat laut Steam gerade einmal 3 Zusatzinhalte, darunter die große Erweiterung Space Age. Frostpunk von 11 bit studios kommt auf Steam auf 7 Einträge. In beiden Fällen weiß ich sofort, was ich kaufe: wenige, große Erweiterungen statt Dutzender Häppchen.
Mir ist klar, dass Paradox ein anderes Geschäftsmodell fährt: Spiele, die zehn Jahre leben und laufend weiterentwickelt werden, müssen irgendwie finanziert werden. Das verstehe ich. Aber zwischen „ein paar große Erweiterungen“ und „über 30 Einträge“ gibt es viel Raum, den man besser nutzen könnte.
Was Paradox & Co. besser machen sollten
- Klare Einstiegspakete: Ein offizielles, regelmäßig aktualisiertes Bundle mit den wirklich wichtigen DLC zu einem fairen Preis.
- Transparenz im Shop: Kennzeichnen, welche DLC Mechaniken bringen und welche nur Optik oder Musik.
- Ältere DLC ins Grundspiel: Nach einigen Jahren zentrale Systeme kostenlos ins Grundspiel übernehmen.
- Weniger, dafür größere Erweiterungen: Lieber ein starkes Addon als fünf kleine Packs.
Mein Fazit: Zu viel ist es, wenn der Einstieg nicht mehr klar ist
Wie viel ist zu viel? Für mich ist die Grenze nicht eine bestimmte Zahl an DLC oder Euro. Zu viel ist es dann, wenn ich einem Freund nicht mehr in einem Satz sagen kann, was er kaufen muss, um ein vollständiges Spiel zu haben. Bei Europa Universalis IV, Stellaris, Crusader Kings III und Hearts of Iron IV ist dieser Punkt für mich längst erreicht.
Ich werde diese Spiele trotzdem weiter spielen, weil sie einzigartig sind. Aber ich wünsche mir, dass Paradox & Co. Neueinsteigern wieder eine klare Tür öffnen, statt sie vor einer Wand aus Shop-Kacheln stehen zu lassen. Wie seht ihr das: Kauft ihr DLC Stück für Stück, oder schreckt euch die Flut ab?









