Ich gebe es offen zu: Kingdom Come: Deliverance II hat mich schon nach der ersten Stunde nicht mehr losgelassen. Kaum ein Rollenspiel der letzten Jahre fühlt sich so sehr nach einem echten Leben im Mittelalter an. Man stolpert als Henry durch Böhmen, verliert Kämpfe, verpennt Termine, betrinkt sich in der Taverne – und genau daraus entstehen die Geschichten, von denen man noch Wochen später erzählt. Warhorse Studios hat mit dem Nachfolger alles größer, schöner und mutiger gemacht, ohne die Seele des ersten Teils zu verlieren.
In diesem Test



Bewertung und Fazit
Ich gebe es offen zu: Kingdom Come: Deliverance II hat mich so tief ins Böhmen des Jahres 1403 gezogen wie kaum ein Rollenspiel zuvor. Ich habe mit Henry und Hans gelacht, in Kuttenberg die Zeit vergessen und mich über jeden hart erkämpften Sieg im Schwertkampf gefreut. Diese Welt fühlt sich nicht wie eine Kulisse an, sondern wie ein Ort, an dem man wirklich lebt.
Ganz ohne Ecken ist das Abenteuer nicht. Der Einstieg verlangt Geduld, das Speichersystem mit dem Retterschnaps hat mich mehr als einmal geärgert, und ab und zu ploppen Objekte auf. Wer sich aber auf das langsame, realistische Tempo einlässt, bekommt von mir eine ganz klare Empfehlung: eines der besten Rollenspiele der letzten Jahre.
Was uns gefallen hat
✅ Glaubwürdige, lebendige Mittelalterwelt mit Kuttenberg als Highlight
✅ Mitreißende Story mit dem starken Duo Henry und Hans
✅ Quests mit vielen Lösungswegen und echten Konsequenzen
Was uns gestört hat
❌ Zäher, fordernder Einstieg für Neulinge
❌ Strenges Speichersystem bleibt Geschmackssache
❌ Gelegentliche Pop-ins und kleinere Bugs
Wertung: 91 %
Henry ist zurück – und Böhmen steht in Flammen
Wir schreiben das Jahr 1403. Böhmen steckt mitten im Bürgerkrieg, König Wenzel IV. sitzt in Gefangenschaft, und sein Halbbruder Sigismund greift nach der Macht. Mitten drin: Henry, der Schmiedesohn aus Skalitz, der im ersten Teil vom einfachen Burschen zum Kämpfer herangewachsen ist. Zusammen mit dem großmäuligen Adligen Hans Capon soll er eigentlich nur eine Botschaft überbringen. Natürlich geht alles schief, und schon nach wenigen Minuten steht Henry fast mit leeren Händen da.
Was mich besonders begeistert hat, ist die Chemie zwischen Henry und Hans. Die beiden streiten, lachen, retten sich gegenseitig den Hals und wachsen einem richtig ans Herz. Die Zwischensequenzen sind filmreif inszeniert, und die Dialoge sind oft herrlich trocken. Gleichzeitig scheut sich das Spiel nicht vor harten, ernsten Momenten, die einem ordentlich zusetzen.

Eine Welt, die einfach weiterlebt
Vom Trosky-Land nach Kuttenberg
Die Spielwelt teilt sich in zwei große Regionen: das ländliche Gebiet rund um die Burg Trosky mit Wäldern, Dörfern und Felsen sowie die Silberstadt Kuttenberg, die größte und lebendigste Stadt, die Warhorse je gebaut hat. Wer zum ersten Mal durch die engen Gassen läuft, zwischen Händlern, Handwerkern und Wachen, merkt sofort, wie viel Liebe hier drinsteckt.
Jeder Bewohner hat einen Tagesablauf, Händler schließen abends ihre Läden, und euer Ruf spricht sich herum. Wer stiehlt, wird vielleicht erkannt. Wer in blutverschmierter Kleidung auftaucht, wird schief angeschaut. Solche Kleinigkeiten machen die Welt glaubwürdig und sorgen dafür, dass jede Entscheidung Gewicht hat.

Quests mit echten Konsequenzen
Die Nebenquests sind für mich das heimliche Highlight. Viele davon lassen sich auf mehreren Wegen lösen: mit dem Schwert, mit Überredungskunst, mit einem Schlaftrunk oder einfach durch Abwarten. Manche Aufgaben laufen sogar ohne euch weiter, wenn ihr euch zu viel Zeit lasst. Das Spiel nimmt euch nicht an die Hand, es vertraut darauf, dass ihr selbst neugierig seid.
Kämpfen will gelernt sein
Das Kampfsystem bleibt anspruchsvoll, ist aber deutlich zugänglicher als im Vorgänger. Statt fünf gibt es jetzt vier Angriffsrichtungen, perfekte Paraden belohnen gutes Timing, und mit etwas Übung fühlen sich Duelle richtig befriedigend an. Neu im Arsenal sind Armbrüste und erste Feuerwaffen, die herrlich unberechenbar sind und ordentlich Eindruck machen.

Henry lernt, indem er tut: Wer viel kämpft, wird besser im Kampf, wer viel redet, wird charismatischer, wer schmiedet, wird zum Handwerker. Das Schmieden selbst ist ein kleines Minispiel, bei dem ihr wirklich Hand anlegt. Und das Speichern ist weiterhin an den Retterschnaps, Betten oder das Beenden des Spiels gebunden – das erzeugt Spannung, nervt aber manchmal auch.
Technik von Kingdom Come: Deliverance II
Technisch ist Kingdom Come: Deliverance II eine echte Überraschung. Das Spiel läuft auf einer modernen Version der CryEngine, sieht vor allem in den Wäldern und bei Sonnenauf- und -untergängen fantastisch aus und ist dabei erstaunlich gut optimiert. Für die Mindestanforderungen reichen ein Intel Core i5-8400 oder AMD Ryzen 5 2600, 16 GB RAM und eine GeForce GTX 1060 (6 GB) oder Radeon RX 580. Empfohlen werden ein Core i7-13700K oder Ryzen 7 7800X3D, 32 GB RAM und eine RTX 4070 oder RX 7800 XT. Eine SSD mit 100 GB freiem Speicher ist Pflicht.
Zum Start gab es nur wenige Bugs, was bei einem Spiel dieser Größe beachtlich ist. Eine vollständige deutsche Sprachausgabe ist ebenfalls an Bord, dazu Texte in 15 Sprachen. Ab und zu ploppen Objekte auf, und auf älteren Systemen sollte man bei den Einstellungen etwas zurückschrauben.

Release und Plattformen
Kingdom Come: Deliverance II ist am 4. Februar 2025 für PC (Steam), PlayStation 5 und Xbox Series X/S erschienen. Entwickelt hat es Warhorse Studios aus Prag, veröffentlicht wird es von Deep Silver. Auf Steam kostet die Standardversion regulär 59,99 Euro, daneben gibt es eine Gold Edition und eine Royal Edition mit den Story-DLCs.
Für alle, die Henry lieber unterwegs begleiten wollen, gibt es außerdem gute Nachrichten: Laut Deep Silver erscheint die Royal Edition von Kingdom Come: Deliverance II 2027 für Nintendo Switch 2, inklusive aller Story-Erweiterungen. Einen genauen Termin gibt es dafür noch nicht. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das riesige Böhmen auf dem Handheld anfühlt.
Systemanforderungen (PC)
| Minimum | Empfohlen | |
|---|---|---|
| Betriebssystem | Windows 10 64-bit (or newer) | Windows 10 64-bit (or newer) |
| Prozessor | Intel Core i5-8400, AMD Ryzen 5 2600 | Intel Core i7-13700K, AMD Ryzen 7 7800X3D |
| Grafikkarte | NVIDIA GeForce GTX 1060 (6GB), AMD Radeon RX 580 | NVIDIA GeForce RTX 4070, AMD Radeon RX 7800 XT |
| Arbeitsspeicher | 16 GB RAM | 32 GB RAM |
| Speicherplatz | 100 GB | 100 GB |


















