Ich liebe Pen-&-Paper-Abende, an denen eine einzige verpatzte Würfelprobe die ganze Runde in Chaos stürzt. Genau dieses Gefühl holt Esoteric Ebb auf den PC. Das Rollenspiel des schwedischen Solo-Entwicklers Christoffer Bodegård ist am 3. März 2026 erschienen, und schon nach den ersten Minuten in einer Leichenhalle voller fauler Äpfel wusste ich: Das wird schräg.

Fazit

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Esoteric Ebb hat mich an meine besten Abende am Spieltisch erinnert. Ich habe Würfelproben verhauen, mich mit einer betrunkenen Sphinx gestritten und trotzdem immer weiterspielen wollen, weil ich wissen musste, wer hinter der Explosion steckt. Für ein Spiel, das größtenteils eine einzige Person entwickelt hat, ist das eine beeindruckende Leistung.

Allerdings muss ich klar sagen: Ohne gute Englischkenntnisse würde ich die Finger davon lassen, denn das Spiel lebt fast nur von Text. Die Kämpfe sind eher Beiwerk, und an manchen Stellen merkt man, dass hier kein großes Team dahintersteht. Wer aber Disco Elysium mochte und Lust auf eine schräge Fantasy-Stadt hat, sollte sich Esoteric Ebb unbedingt anschauen.

Was uns gefallen hat

✅ Würfelproben bringen echtes Pen-&-Paper-Gefühl

✅ Schräge, liebevoll geschriebene Welt mit tollen Figuren

✅ Entscheidungen mit spürbaren Folgen und cleverer Questing Tree

Was uns gestört hat

❌ Nur auf Englisch und sehr textlastig

❌ Kämpfe bleiben blass

❌ Keine Sprachausgabe und kleinere Bugs zum Release

Wertung: 75 %

Ein Kleriker in Norvik

Ihr spielt den Kleriker, einen Experten für esoterische Vorfälle und im Grunde einen besseren Handlanger der Regierung. Fünf Tage vor der allerersten Wahl der Stadt Norvik fliegt mitten im Zentrum ein Teehaus in die Luft, und ihr sollt herausfinden, was dahintersteckt. Begleitet werdet ihr dabei von einem Goblin, der mehr Persönlichkeit hat als so mancher Held großer Rollenspiele.

Norvik ist eine herrlich bizarre Fantasy-Stadt nach dem Ende des Arcanepunk-Zeitalters. Fabelwesen verkaufen Zeitungen an der Ecke, betrunkene Sphingen philosophieren in Kneipen, und politische Ideologien haben die Worte toter Götter ersetzt. Die Welt stammt ursprünglich aus Bodegårds eigener Pen-&-Paper-Kampagne, und das merkt man an jeder Ecke.

Würfelproben und Dialoge

Wer Disco Elysium gespielt hat, fühlt sich sofort zu Hause. Fast alles läuft über Dialoge und Würfelproben. Eure Werte wie Stärke, Weisheit oder Charisma melden sich ständig mit eigenen Stimmen zu Wort und reden euch Dinge ein, die oft keine gute Idee sind. Ein Wurf entscheidet dann, ob ihr einen Zwerg im Armdrücken besiegt, etwas stehlt oder euch komplett blamiert.

Das Schöne daran: Scheitern ist oft viel unterhaltsamer als Erfolg. Wir haben einige Proben absichtlich riskiert, nur um zu sehen, was passiert. Kämpfe gibt es zwar auch, sie laufen rundenbasiert und ebenfalls über Würfel, spielen aber eine Nebenrolle. Das große Manko für viele deutsche Spieler: Esoteric Ebb gibt es bisher nur auf Englisch, und die Texte sind anspruchsvoll und umfangreich.

Esoteric Ebb – Der Questing Tree
Der Questing Tree ist Questlog, Talentbaum und Gedankenkarte in einem.

Entscheidungen und Questing Tree

Eure Entscheidungen haben spürbare Folgen. Ihr könnt Fraktionen gegeneinander ausspielen, Allianzen schmieden und wieder brechen und am Ende sogar selbst nach der Macht greifen. Die Quests sind offen gestaltet und lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise lösen, ob mit Magie, Worten oder einfach mit Glück.

Besonders clever ist der Questing Tree, der Questlog, Talentbaum und Gedankenkarte vereint. Jeder abgeschlossene Zweig kann sich in eurem Kopf festsetzen und verändert dann euren Spielstil. Das motiviert, verschiedene Wege auszuprobieren und das Spiel ein zweites Mal anzugehen. Veröffentlicht wurde das Spiel übrigens von Raw Fury, die schon Perlen wie Sable und Norco herausgebracht haben.

Grafik, Sound und Technik

Optisch setzt Esoteric Ebb auf eine isometrische Ansicht mit detaillierten, handgemalt wirkenden Schauplätzen und kräftigen Farben. Gerade die Stadtviertel und Tunnel von Norvik sehen richtig stimmungsvoll aus. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, die Musik bleibt eher im Hintergrund, was bei so viel Text aber nicht unbedingt schlecht ist.

Technisch ist das Spiel genügsam und läuft auch auf älteren Rechnern. Erschienen ist es bisher nur für den PC, Controller werden aber voll unterstützt. Ein paar kleinere Bugs und Balancing-Schwächen gab es zum Release, die per Patch nach und nach angegangen werden.

Systemanforderungen (PC)

MinimumEmpfohlen
BetriebssystemWindows 10Windows 10/11
ProzessorIntel i5-2500K / AMD FX-8350Intel i7-8700K / AMD Ryzen 5 3600
GrafikkarteNVIDIA GTX 1050 / AMD RX 560NVIDIA GTX 1060 / AMD RX 580
Arbeitsspeicher8 GB RAM16 GB RAM
Speicherplatz8 GB8 GB
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