Metaphor: ReFantazio hat mich auf eine Art überrascht, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich bin als großer Persona-Fan eingestiegen und hatte Angst vor einer bloßen Kopie im Fantasy-Gewand. Herausgekommen ist ein Rollenspiel, das politisch erwachsener erzählt, taktisch tiefer kämpft und mich über viele Abende nicht mehr losgelassen hat.

Bewertung und Fazit

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Metaphor: ReFantazio ist für mich eines der stärksten Rollenspiele der letzten Jahre. Das Kampfsystem ist fordernd und befriedigend, die Archetypen bieten enorm viel Tiefe, und die Geschichte traut sich, ernste Themen anzusprechen. Dazu kommen ein unverwechselbarer Stil und ein Soundtrack, der mir noch Tage später im Kopf hängt.

Perfekt ist das Spiel nicht. Die Dungeons wiederholen sich mit der Zeit, die Handlung hängt in der Mitte etwas durch, und technisch sieht man der Welt ihr Budget an. Wer mit langen Dialogen und vielen Menüs nichts anfangen kann, braucht Geduld. Alle anderen bekommen ein fantastisches Abenteuer.

Was uns gefallen hat

✅ Fordernde, sehr taktische Rundenkämpfe

✅ Archetypen-System mit enormer Tiefe

✅ Mutige Story und herausragender Soundtrack

Was uns gestört hat

❌ Dungeons wiederholen sich mit der Zeit

❌ Durchhänger im Mittelteil der Story

❌ Technisch eher schlichte Umgebungen

Wertung: 78 %

Die Story von Metaphor: ReFantazio: Ein Thron für das Volk

Die Ausgangslage hat mich sofort gepackt: Der König des Vereinigten Königreichs Euchronia wird ermordet, und ein magischer Erlass bestimmt, dass sein Nachfolger nicht geerbt, sondern vom Volk gewählt wird. Plötzlich wirft halb Euchronia seinen Hut in den Ring, und ein offener Wettstreit um den Thron beginnt.

Ihr spielt einen jungen Mann, der mit der kleinen Fee Gallica unterwegs ist. Sein eigentliches Ziel ist es, den Fluch zu brechen, der auf dem rechtmäßigen Prinzen liegt. Um dafür nah genug an die Macht zu kommen, müsst ihr selbst als Kandidat antreten und das Vertrauen der Menschen gewinnen.

Was Metaphor: ReFantazio dabei so besonders macht, ist der Ton. Das Spiel redet offen über Rassismus zwischen den Stämmen, über Angst, Propaganda und Populismus. Das ist manchmal ziemlich direkt, aber selten plump, und gerade der charismatische Gegenspieler Louis sorgt für einige richtig starke Szenen.

Ganz frei von Schwächen ist die Erzählung nicht. Nach einem starken Auftakt hängt die Handlung in der Mitte etwas durch, und manche Wendungen sieht man früh kommen. Trotzdem wollte ich fast immer wissen, wie es weitergeht.

Gerade am Anfang zeigt Metaphor: ReFantazio, wie gut Atlus Welten aufbauen kann. Euchronia ist kein typisches Mittelalter-Königreich, sondern eine Welt, in der viele Stämme mit eigenen Eigenheiten zusammenleben, oft mehr schlecht als recht. Euer Held gehört selbst zu einem Stamm, der von anderen verachtet wird, und das spürt ihr in vielen Gesprächen.

Spannend finde ich auch, wie das Spiel mit Fantasy-Romanen spielt. Euer Held trägt ein Buch über eine fremde, utopische Welt bei sich, und genau diese Idee zieht sich als roter Faden durch die ganze Geschichte. Ohne zu viel zu verraten: Der Titel Metaphor: ReFantazio ist hier wirklich Programm.

Metaphor: ReFantazio – Nach dem Tod des Königs wartet halb Euchronia gebannt darauf, wer den Thron erobert
Nach dem Tod des Königs wartet halb Euchronia gebannt darauf, wer den Thron erobert.

Kampfsystem: Echtzeit trifft Rundentaktik

Im Kern ist Metaphor: ReFantazio ein klassisches Rundenstrategie-Rollenspiel, und für mich gehört das Kampfsystem zu den besten, die Atlus je gebaut hat. Wer Shin Megami Tensei kennt, findet das Press-Turn-Prinzip wieder: Trefft ihr Schwächen, gewinnt ihr Züge dazu. Verfehlt ihr oder trefft eine Resistenz, verliert ihr sie.

Neu ist der Einstieg über das Feld. Schwächere Monster haut ihr direkt in Echtzeit um, ohne dass überhaupt ein Kampfbildschirm erscheint. Bei stärkeren Gegnern könnt ihr sie vorher betäuben und euch so einen Vorteil für den Rundenkampf sichern. Das spart enorm viel Zeit und macht das Grinden angenehm flott.

Bei Bossen zieht der Schwierigkeitsgrad dafür ordentlich an. Ein verfehlter Angriff oder ein kritischer Treffer des Gegners kann schnell den ganzen Kampf kippen. Das ist fordernd, manchmal auch frustrierend, aber nie unfair, wenn man sich auf das System einlässt.

Eure Gruppe besteht aus bis zu vier aktiven Figuren, die ihr in eine vordere und eine hintere Reihe stellt. Vorne teilt ihr mehr Schaden aus, steckt aber auch mehr ein. Dazu kommen Synthese-Angriffe, bei denen zwei oder mehr Figuren eine besonders starke Fähigkeit gemeinsam einsetzen, die allerdings mehrere Züge kostet.

Auf Steam wird vor allem gelobt, wie gut sich das System im Lauf der Zeit entfaltet. Kritik gibt es eher am Drumherum: Die Magiepunkte sind knapp, und wer in Dungeons zu viel zaubert, muss manchmal früher umkehren, als ihm lieb ist. Ich mochte diese Knappheit, weil sie jede Entscheidung wichtiger macht.

Metaphor: ReFantazio – Bosskämpfe verlangen echtes Taktikgespür, ein falscher Zug kann den ganzen Kampf drehen
Bosskämpfe verlangen echtes Taktikgespür, ein falscher Zug kann den ganzen Kampf drehen.
Der offizielle deutsche Trailer „Das Thronturnier“ zu Metaphor: ReFantazio von ATLUS.

Archetypen: Das Klassensystem als Herzstück

Statt Personas sammelt ihr hier sogenannte Archetypen. Das sind Klassen wie Sucher, Krieger, Magier oder Heiler, die eure Figuren wie eine zweite Haut tragen. Jeder Archetyp hat eigene Fähigkeiten, und einige davon könnt ihr in andere Klassen übernehmen.

Genau hier steckt die Spieltiefe von Metaphor: ReFantazio. Ich habe Stunden damit verbracht, Gruppen zusammenzustellen, Fähigkeiten zu vererben und neue Kombinationen auszuprobieren. Wer gerne an Builds tüftelt, findet hier enorm viel zu tun.

Freigeschaltet werdet ihr neue Archetypen vor allem über eure Bindungen zu den Anhängern. Damit verzahnt das Spiel Kampf und Geschichte sehr elegant. Einziger Haken: Das Menü wird mit der Zeit ziemlich voll, und anfangs muss man sich erst zurechtfinden.

Jeder Archetyp hat zudem mehrere Ausbaustufen. Aus dem einfachen Krieger wird mit der Zeit etwa ein deutlich stärkerer Kämpfer, und auch Magier und Heiler entwickeln sich weiter. Weil ihr dafür Erfahrung im jeweiligen Archetyp sammeln müsst, lohnt es sich, Klassen regelmäßig zu wechseln.

Besonders gelungen ist, dass jede Figur grundsätzlich jeden freigeschalteten Archetyp tragen kann. Damit seid ihr bei der Gruppe sehr frei und könnt euch auf jeden Boss gezielt vorbereiten. In Metaphor: ReFantazio habe ich deshalb öfter vor schweren Kämpfen meine komplette Aufstellung umgebaut.

Metaphor: ReFantazio – Je besser ihr die Archetypen kombiniert, desto leichter werden auch harte Gegner
Je besser ihr die Archetypen kombiniert, desto leichter werden auch harte Gegner.

Kalender, Tugenden und Anhänger

Wie in Persona strukturiert ein Kalender euren Alltag. Bis zu bestimmten Stichtagen müsst ihr Aufgaben erledigen, und dazwischen entscheidet ihr, wie ihr eure freie Zeit nutzt. Ihr könnt Freundschaften pflegen, Nebenquests annehmen oder eure königlichen Tugenden wie Mut, Weisheit oder Toleranz stärken.

Die Tugenden schalten neue Gesprächsoptionen und Fähigkeiten frei, die Anhänger bringen euch stärkere Archetypen. Das ergibt einen motivierenden Kreislauf. Ich hatte ständig das Gefühl, dass jede einzelne Spielstunde etwas bringt.

Reisen läuft über den Gauntlet Runner, eine Art fahrbare Festung. Unterwegs könnt ihr kochen, lesen oder Zeit mit der Gruppe verbringen. Gerade dieser Teil macht die Welt greifbar und sorgt für viele ruhige, schöne Momente zwischen den Dungeons.

Die Dungeons selbst sind dagegen der schwächste Teil. Die großen Story-Dungeons sind abwechslungsreich gestaltet, viele optionale Gebiete wie Höhlen und Ruinen sehen sich aber ziemlich ähnlich. Das fällt vor allem in der zweiten Spielhälfte auf und wird auch auf Steam häufig kritisiert.

Auch die Dialoge sind nicht immer knapp. Viele Szenen erklären Dinge ausführlicher als nötig, und wer schnell zur nächsten Aufgabe will, braucht etwas Geduld. Mich hat das selten gestört, weil die Figuren gut geschrieben und stark vertont sind.

Metaphor: ReFantazio – Zwischen den Stichtagen nutzt ihr jede freie Minute für Freundschaften und Tugenden
Zwischen den Stichtagen nutzt ihr jede freie Minute für Freundschaften und Tugenden.

Für wen lohnt sich Metaphor: ReFantazio?

Wer Persona 5 Royal oder Shin Megami Tensei mag, sollte Metaphor: ReFantazio auf jeden Fall spielen. Ihr bekommt das Beste aus beiden Welten: den Alltag und die Beziehungen aus Persona und die fordernden Kämpfe aus Shin Megami Tensei, verpackt in ein komplett neues Fantasy-Setting.

Auch Einsteiger kommen gut zurecht. Es gibt mehrere Schwierigkeitsgrade, und die Echtzeitangriffe auf dem Feld nehmen viel Grind aus dem Spiel. Wer allerdings keine langen Dialoge und Menüs mag, wird es schwer haben, denn das Spiel nimmt sich Zeit.

Mit einem Preis von 69,99 Euro auf Steam ist Metaphor: ReFantazio kein Schnäppchen, bietet aber auch sehr viele Stunden Inhalt. Bei Instant Gaming bekommt ihr einen Schlüssel für den Microsoft Store derzeit für rund 55 Euro. Für mich ist es jeden Cent wert.

Metaphor: ReFantazio – Spezialangriffe der Archetypen sind spektakulär inszeniert
Spezialangriffe der Archetypen sind spektakulär inszeniert.

Release, Preise und Auszeichnungen

Metaphor: ReFantazio ist am 11. Oktober 2024 für PC, PlayStation 4, PlayStation 5 und Xbox Series X|S erschienen. Entwickelt hat es das Studio Zero von ATLUS rund um Katsura Hashino, der zuvor die Persona-Teile 3 bis 5 geleitet hat. Laut SEGA wurde das Spiel schon am ersten Tag über eine Million Mal verkauft.

Bei den Game Awards 2024 gewann das Spiel drei Preise, darunter den als bestes Rollenspiel. Bei den Japan Game Awards 2025 folgte der Hauptpreis. Am 12. November 2026 erscheint außerdem eine Version für die Nintendo Switch 2.

Für Atlus ist das Spiel ein wichtiger Schritt. Erstmals seit Jahren hat das Studio eine komplett neue Marke aufgebaut, statt nur Persona oder Shin Megami Tensei fortzusetzen. Dass Metaphor: ReFantazio direkt so gut ankam, dürfte die Tür für weitere neue Projekte öffnen.

Entwickelt wurde Metaphor: ReFantazio von Atlus, veröffentlicht hat es SEGA. Alle offiziellen Infos findet ihr auf der offiziellen Seite zu Metaphor: ReFantazio, kaufen könnt ihr das Spiel unter anderem auf Steam.

Metaphor: ReFantazio – Erkundung und Echtzeitangriffe gehen auf dem Feld fließend ineinander über
Erkundung und Echtzeitangriffe gehen auf dem Feld fließend ineinander über.

Grafik und Technik

Optisch lebt Metaphor: ReFantazio vor allem von seinem Stil. Menüs, Übergänge und Charakterdesigns sind wieder einmal großartig, die Umgebungen wirken dagegen technisch eher einfach und manchmal etwas leer. Das stört mich wenig, weil der künstlerische Anspruch die Technik locker auffängt.

Die PC-Version ist anspruchslos und läuft auf vielen Systemen flüssig. Einige Spieler berichten auf Steam allerdings von langen Ladezeiten und schwarzen Bildschirmen bei Übergängen. Die Musik von Shoji Meguro ist dagegen ein echtes Highlight: Chorgesang und ungewöhnliche Instrumente geben dem Spiel einen ganz eigenen Klang.

Wertungen im Überblick

QuelleWertungStand
Metacritic94 von 100 (PS5, 54 Kritiken)19.10.2026
OpenCritic92 von 100, 99 % empfehlen10.10.2024
Steam-NutzerreviewsSehr positiv (90 % positiv)19.10.2026
PlayInsider86 %19.10.2026

Systemanforderungen (PC)

MinimumEmpfohlen
BetriebssystemWindows 10Windows 10
ProzessorIntel Core i5-3470 or AMD FX-6300Intel Core i5-7600 or Ryzen 5 2600
GrafikkarteNVIDIA GeForce GTX 750 Ti, 4GB or AMD Radeon R7 360, 4GB or Intel Arc A310, 4GBNVIDIA GeForce GTX 970, 4GB or AMD Radeon RX 480, 4GB or Intel Arc A380, 6GB
Arbeitsspeicher6 GB RAM8 GB RAM
Speicherplatz93 GB93 GB
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