Ich muss gestehen: Nach ein paar Abenden mit Pokémon Pokopia ertappe ich mich dabei, wie ich mich schon morgens auf den Feierabend freue. Tee kochen, Switch 2 an, kurz nach den Beeten schauen und dann noch „nur schnell“ ein neues Zimmer einrichten. Aus diesem „schnell“ werden dann regelmäßig zwei Stunden. Pokopia ist kein Abenteuer voller Arenakämpfe, sondern ein warmes, entschleunigtes Lebenssimulations-Spiel, in dem ich mit meinen Pokémon-Freunden eine verlassene Welt Stück für Stück wieder zum Blühen bringe. Und genau das tut unglaublich gut.




Ein Ditto, ein Professor und ganz viel Ödland
Die Ausgangslage ist überraschend melancholisch: Menschen und Pokémon haben einst glücklich zusammengelebt, doch die Welt ist verkümmert und die Menschen sind verschwunden. Übrig ist nur Professor Tangoloss, das ganz allein in der Einöde lebt. Dann erwacht ein ungewöhnliches Ditto aus einem langen Schlaf, verwandelt sich in einen Menschen und beschließt, der Gegend wieder Leben einzuhauchen. Dieses Ditto seid ihr.
Was mir sofort gefallen hat: Die Geschichte drängt sich nie auf. Sie ist der liebevolle Rahmen für das, worum es eigentlich geht, nämlich ankommen, aufbauen und Freundschaften schließen. Professor Tangoloss ist dabei ein herrlich schrulliger Begleiter, der nicht nur Tipps gibt, sondern auch selbst ein paar wunderbar trockene Sprüche auf Lager hat.

Habitate bauen, Freunde finden
Jedes Pokémon hat seinen Geschmack
Das Herzstück von Pokopia sind die Habitate. Statt Pokémon zu fangen, lockt ihr sie an, indem ihr ihnen passende Lebensräume baut. Ein bisschen hohes Gras hier, eine Angel und ein Stuhl am Ufer dort, und schon schaut neugierig ein Karpador vorbei. Jedes Pokémon hat eigene Vorlieben, und herauszufinden, wer sich wo wohlfühlt, ist eine kleine Entdeckungsreise für sich. Mit der Zeit äußern die Bewohner sogar eigene Wünsche, und manche Aufgaben lassen sich nur gemeinsam mit mehreren Pokémon lösen.
Attacken als Werkzeug
Besonders clever finde ich, wie das Spiel klassische Attacken neu interpretiert. Ditto lernt sie von seinen Freunden und nutzt sie als Werkzeug: Mit Schiggys Aquaknarre wird vertrocknetes Land bewässert, mit Bisasams Hilfe sprießt wieder frisches Grün, und Lapras’ Surfer macht den Weg zu entfernten Inseln frei. So wächst nicht nur die Welt, sondern auch der eigene Bewegungsradius ganz organisch mit.

Werkeln, gärtnern, einrichten
Wer gern baut, ist hier im siebten Himmel. An der Werkbank stellt ihr aus Blättern, Holz und Steinen alles her, was das Herz begehrt: vom simplen Strohbett über Möbel und Spielzeug bis zu Laternen und Wegen. Felder wollen gepflügt, Gemüse angebaut und zu leckeren Gerichten verkocht werden. Die blockbasierte Welt lässt sich dabei frei formen, was mich ein bisschen an Minecraft erinnert, nur eben in kuschelig und mit Pikachu.

Größere Projekte wie Häuser stemmt ihr zusammen mit euren Pokémon, die Lagerfeuer anzünden, Pflanzen wässern oder Lichter einschalten. Dazu kommen ein Tag-Nacht-Zyklus in Echtzeit, wechselndes Wetter, ein Fotomodus und jede Menge Frisuren und Outfits für Ditto. Ein Zeitdruck existiert nicht: Pokopia lädt ausdrücklich dazu ein, alles im eigenen Tempo zu erleben, und wenn mir danach ist, lege ich mich eben einfach ins Bett und lasse die Zeit verstreichen.
Gemeinsam ist es noch gemütlicher
Bis zu vier Spieler können online oder lokal drahtlos zusammen bauen und sich gegenseitig besuchen, jeder darf dabei ein Pokémon mitbringen. Dank GameShare können sogar Freunde mitmachen, die das Spiel selbst nicht besitzen, auch auf der ersten Nintendo Switch. Für Online-Partien braucht ihr allerdings ein Abo von Nintendo Switch Online.

Technik, Umfang und Release
Pokémon Pokopia ist am 5. März 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2 erschienen. Entwickelt hat es Omega Force von Koei Tecmo gemeinsam mit The Pokémon Company und Game Freak, veröffentlicht wird es in Europa von Nintendo. Im Nintendo eShop kostet die digitale Version 69,99 Euro, der kostenpflichtige Erweiterungspass mit drei Inhaltswellen liegt bei 34,99 Euro. Die Download-Größe beträgt 6,8 GB, die Softwareschlüssel-Karte braucht mindestens 10 GB freien Speicher. Texte gibt es unter anderem auf Deutsch, die Altersfreigabe liegt bei USK 6.
Technisch präsentiert sich Pokopia sauber: Die knallbunte Blockoptik ist zwar bewusst schlicht, die Pokémon sind aber wunderbar animiert und voller Persönlichkeit. Mit kostenlosen Updates wie dem Tauchen unter Wasser wächst das Spiel zudem weiter. Wer nach der Hauptstory weiterbauen möchte, kann sich locker Dutzende Stunden in seinem Paradies verlieren. Alle offiziellen Infos findet ihr auf der offiziellen Website zu Pokémon Pokopia.
Unsere Bewertung im Detail
Grafik: Farbenfrohe Blockwelt mit liebevoll animierten Pokémon, die bewusst schlichte Optik ist aber nicht jedermanns Sache.
Gameplay: Habitate bauen, Attacken als Werkzeug und freies Gestalten greifen perfekt ineinander.
Story: Ein warmherziger, leicht melancholischer Rahmen mit einem herrlich schrulligen Professor Tangoloss, mehr aber auch nicht.
Spieltiefe: Unzählige Pokémon, Rezepte und Bauprojekte sorgen für Beschäftigung weit über die Hauptstory hinaus.
Technik: Läuft rund auf der Switch 2, Online-Koop gibt es aber nur mit Nintendo-Switch-Online-Abo.
Sound: Entspannter, verspielter Soundtrack und vertraute Pokémon-Laute, die sofort für Wohlfühlstimmung sorgen.
Fazit
Pokémon Pokopia ist für mich die schönste Überraschung des Pokémon-Jahres. Ich habe mich an so vielen Abenden darauf gefreut, mit einer Tasse Tee nach meinen Beeten zu schauen, ein neues Habitat zu bauen und zu sehen, welches Pokémon diesmal neugierig vorbeischaut. Dieses Gefühl, aus einer trostlosen Einöde Stück für Stück ein kleines Paradies zu machen, ist einfach herrlich.
Ein paar kleine Abstriche gibt es trotzdem: Die Geschichte bleibt eher ein netter Rahmen, und für den Online-Koop mit Freunden braucht ihr ein Nintendo-Switch-Online-Abo. Die bewusst schlichte Blockoptik wird auch nicht jedem gefallen. Wer aber Lust auf entspannte Stunden mit Bauen, Gärtnern und ganz vielen Pokémon hat, bekommt von mir eine klare Empfehlung.
Plus
- Habitate bauen und Pokémon anlocken macht süchtig
- Attacken als Werkzeug sind eine clevere Idee
- Gemütlicher Koop für bis zu vier Spieler
Minus
- Story bleibt ein eher dünner Rahmen
- Online-Koop nur mit Nintendo-Switch-Online-Abo
- Schlichte Blockoptik ist nicht jedermanns Sache
Wertung: 77 %
Systemanforderungen (PC)
| Minimum | Empfohlen | |
|---|---|---|
| Betriebssystem | Nicht für PC | Nicht für PC |
| Prozessor | Nicht für PC | Nicht für PC |
| Grafikkarte | Nicht für PC | Nicht für PC |
| Arbeitsspeicher | Nicht für PC | Nicht für PC |
| Speicherplatz | Nicht für PC | Nicht für PC |


















