Als großer Fan von Pillars of Eternity habe ich mich riesig darauf gefreut, die Welt Eora endlich aus der Ego-Perspektive zu erleben. Avowed schickt mich als Gesandten des Kaiserreichs Aedyr in die Lebenden Lande, eine wilde Insel voller seltsamer Pflanzen, gefährlicher Kreaturen und politischer Konflikte. Nach rund 35 Stunden kann ich sagen: Das Kämpfen und Erkunden hat mir richtig Spaß gemacht, bei Geschichte und Rollenspieltiefe hatte ich mir von Obsidian aber mehr erhofft.

Bewertung und Fazit

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Avowed ist für mich vor allem ein richtig gutes Action-Spiel im Rollenspielgewand. Das Kampfsystem mit seinen frei kombinierbaren Waffen und Zaubern macht enorm Laune, und die farbenfrohen Gebiete der Lebenden Lande laden zum Erkunden ein. Wer Pillars of Eternity kennt, entdeckt zudem viele Anspielungen und bekannte Orte, was mir als Fan ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat.

Bei der Geschichte und den Dialogen bleibt Avowed aber hinter dem zurück, was ich von Obsidian gewohnt bin. Viele Gespräche wirken etwas flapsig, die Begleiter bleiben blass, und die Gebiete folgen alle einem ähnlichen Aufbau. Dazu kommen Ruckler auf dem PC. Mit dem Jubiläumsupdate ist das Spiel runder geworden, ein Pflichtkauf für Rollenspielfans ist es trotzdem nicht.

Was uns gefallen hat

✅ Wuchtiges, frei kombinierbares Kampfsystem aus Waffen und Magie

✅ Farbenfrohe, dicht gestaltete Gebiete mit vielen Geheimnissen

✅ Spürbare Entscheidungen mit moralischen Grauzonen

Was uns gestört hat

❌ Flapsige Dialoge und eher blasse Begleiter

❌ Gebiete folgen einem ähnlichen, auf Dauer repetitiven Aufbau

❌ Ruckler und vereinzelte Abstürze auf dem PC

Wertung: 76 %

Ein Gesandter in den Lebenden Landen

In Avowed spielt ihr einen Gesandten des Kaiserreichs Aedyr, der in die Lebenden Lande geschickt wird, um eine mysteriöse Seuche zu untersuchen. Diese im Original Dreamscourge genannte Seuche befällt Menschen und Tiere und treibt sie in den Wahnsinn. Euer Charakter ist zudem ein Gottähnlicher, also jemand, der von einer Gottheit berührt wurde, und schon bald hört ihr eine fremde Stimme in eurem Kopf, die eine ganz eigene Agenda verfolgt.

Die Lebenden Lande sind ein spannender Schauplatz. Hier prallen Kolonialmacht, Einheimische, religiöse Eiferer und Söldner aufeinander, und fast jede Fraktion hat nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln. Wer Pillars of Eternity gespielt hat, findet viele bekannte Begriffe wieder, Neulinge kommen dank der Lexikon-Einträge aber ebenfalls gut zurecht.

Avowed – Platz mit Statue in einer Stadt
Sonnige Plätze und alte Mauern: Die Städte der Lebenden Lande laden zum Verweilen ein.

Kampf: Schwert, Zauber und Pistole

Das Kampfsystem ist für mich die größte Stärke von Avowed. In jeder Hand könnt ihr eine andere Waffe tragen, also zum Beispiel Schwert und Schild, zwei Pistolen, Bogen oder Zauberstab und Grimoire. Ich habe die meiste Zeit mit Schwert in der rechten und Zauberbuch in der linken Hand gekämpft, und das Zusammenspiel aus Hieben, Feuerbällen und Eisstrahlen fühlt sich wuchtig und befriedigend an.

Über vier Fähigkeitenbäume für Kämpfer, Waldläufer, Magier und Gottähnliche baut ihr euren Charakter frei aus. Klassen im engeren Sinne gibt es nicht, ihr könnt jederzeit umskillen und neue Kombinationen ausprobieren. Gegnervielfalt und Bosse könnten etwas abwechslungsreicher sein, und das Ausrüstungssystem mit seinen Verbesserungsstufen ist mir auf Dauer zu stark auf Werte fixiert. Spaß gemacht haben mir die Kämpfe aber bis zum Schluss.

Begleiter, Dialoge und Entscheidungen

Auf eurer Reise schließen sich euch bis zu vier Begleiter an, darunter der ehemalige Söldner Kai und die neugierige Gelehrte Giatta. Im Kampf unterstützen sie euch mit eigenen Fähigkeiten, und im Lager erzählen sie von ihrer Vergangenheit. Leider bleiben mir die meisten von ihnen nicht lange im Gedächtnis. Im Vergleich zu den großen Obsidian-Figuren aus Pillars oder New Vegas wirken sie oft zu glatt.

Bei den Dialogen hat mich vor allem der Ton gestört. Viele Gespräche sind sehr modern und flapsig formuliert, was nicht immer zur Fantasy-Welt passt. Die Entscheidungen selbst sind dagegen stark: Oft gibt es keine klar gute Lösung, und die Folgen eurer Taten werden am Ende in einem ausführlichen Epilog aufgegriffen. Genau hier blitzt das Obsidian auf, das ich so mag.

Der offizielle Launch-Trailer zu Avowed von Xbox.

Erkundung und Gebiete

Statt einer großen offenen Welt setzt Avowed auf mehrere weitläufige Gebiete, von sonnigen Küsten über dichte Dschungel bis zu kargen, roten Felsenlandschaften. Jedes Gebiet steckt voller versteckter Truhen, Kletterpassagen, Nebenquests und Geheimnisse. Ich habe es geliebt, mit Sprüngen und Klettereinlagen über Dächer und Felsen zu turnen, um an eine versteckte Schatzkarte zu kommen.

Auf Dauer fällt allerdings auf, dass alle Gebiete einem ähnlichen Muster folgen: ankommen, Siedlung, Nebenquests, Hauptquest, weiter. Gegen Ende hat sich das für mich etwas repetitiv angefühlt. Mit dem Jubiläumsupdate im Februar 2026 hat Obsidian unter anderem ein Neues Spiel Plus, einen Fotomodus, neue spielbare Völker und Kampfstäbe nachgereicht, was den Wiederspielwert deutlich erhöht.

Avowed – Begleiter Kai im Kampf
Begleiter wie Kai unterstützen euch im Kampf mit eigenen Fähigkeiten.

Avowed: Grafik und Technik

Entwickelt wurde Avowed von Obsidian Entertainment, veröffentlicht von Xbox Game Studios. Das Spiel ist am 18. Februar 2025 für PC und Xbox Series X|S erschienen, seit dem 17. Februar 2026 gibt es zudem eine Version für PlayStation 5. Optisch setzt Avowed auf kräftige Farben, leuchtende Pilze und fantasievolle Landschaften, die mit der Unreal Engine 5 richtig schön in Szene gesetzt werden.

Technisch lief Avowed bei mir auf dem PC meist flüssig, typisches Unreal-Stottern beim Betreten neuer Bereiche gab es aber immer wieder. Auch auf Steam berichten einige Spieler von Rucklern und Abstürzen, viele andere loben dagegen die gute Performance. Eine deutsche Sprachausgabe fehlt, Texte und Untertitel sind aber auf Deutsch. Die aktuelle Stimmung der Spieler findet ihr auf der Steam-Seite von Avowed.

Wertungen im Überblick

QuelleWertungStand
Metacritic80 von 100 (Xbox Series X)19.10.2026
Steam-NutzerreviewsGrößtenteils positiv (77 % positiv)19.10.2026

Systemanforderungen (PC)

MinimumEmpfohlen
BetriebssystemWindows 10/11 with updatesWindows 10/11 with updates
ProzessorAMD Ryzen 5 2600 / Intel i5-8400AMD Ryzen 5 5600X / Intel i7-10700K
GrafikkarteAMD RX 5700 / Nvidia GTX 1070 / Intel Arc A580AMD RX 6800 XT / Nvidia RTX 3080
Arbeitsspeicher16 GB RAM16 GB RAM
Speicherplatz75 GB75 GB
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