OD von Hideo Kojima: Was wir über das mysteriöse Horror-Experiment mit Xbox wissen

Kaum ein Spiel ist so geheimnisvoll wie OD. Seit fast drei Jahren wissen wir, dass Hideo Kojima mit Xbox und Jordan Peele an einem Horrorspiel arbeitet, das uns buchstäblich eine Überdosis Angst verpassen soll. Gesehen haben wir bisher nur zwei Teaser, ein Standbild und ein neues Plakat. Ich habe zusammengetragen, was über OD wirklich bekannt ist und was noch Spekulation ist. Meine These: OD ist Kojimas mutigstes Experiment seit P.T. und gleichzeitig sein riskantestes.

Wer Kojima kennt, weiß: Bei ihm ist das Drumherum oft genauso spannend wie das Spiel selbst. Bei OD ist es aber anders als sonst. Kojima, der normalerweise Teaser um Teaser veröffentlicht, hält sich diesmal auffällig zurück. In seiner Radiosendung Koji10 sagte er im Herbst 2026 sinngemäß, er wolle diesmal nicht viel verraten und das Spiel lieber still fertigstellen. Umso wichtiger ist es, die wenigen offiziellen Fakten sauber zu sortieren.

Die Ankündigung: OD bei den Game Awards 2023

Offiziell vorgestellt wurde OD am 7. Dezember 2023 bei den Game Awards in Los Angeles. Kojima Productions und Xbox Game Studios kündigten das Projekt gemeinsam an, laut offizieller Pressemitteilung als „A Hideo Kojima Game“. Schon damals stand fest: Der Oscar-prämierte Regisseur Jordan Peele ist an Bord, als einer von mehreren Geschichtenerzählern.

Kojima selbst beschrieb das Projekt in der Mitteilung so: Man arbeite mit Xbox Game Studios und deren Cloud-Gaming-Technologie daran, eine „sehr einzigartige, immersive und völlig neue Art von Spiel“ zu schaffen, oder besser gesagt „eine neue Form von Medium“. Auf der Bühne betonte er, OD sei ein Spiel, aber gleichzeitig auch ein Film. Auch Xbox Wire griff die Ankündigung auf, mit dem Hinweis, dass OD die Grenzen zwischen Gaming und Film verwischen soll.

OD Kojima: Logo von A Hideo Kojima Game
Das Logo von OD bei der Ankündigung 2023. (Bild: Kojima Productions / Xbox Game Studios)

Der erste Teaser zeigte vor allem eines: Gesichter in Großaufnahme, echte Schauspieler, fotorealistisch eingefangen, und viel Angst. Gameplay gab es nicht zu sehen. Hier ist der Teaser von 2023:

Das Konzept: Eine Überdosis Angst

Der Titel ist Programm. OD steht für das englische „Overdose“, also Überdosis. Laut Kojima Productions erforscht das Spiel, wie es ist, die eigene Angstschwelle zu testen und eine „Überdosis an Angst“ zu bekommen. Wie genau das technisch funktionieren soll, verrät Kojima bis heute nicht. Klar ist bisher nur so viel:

  • OD ist laut Kojima ein Singleplayer-Spiel.
  • Es soll mithilfe der Cloud-Technologie von Xbox entstehen.
  • Entwickelt wird es in der Unreal Engine 5, Xbox hilft laut Phil Spencer auch bei technischer Arbeit hinter den Kulissen.
  • Kojima spricht von einem völlig neuen Spielsystem, das es so noch nie gegeben habe, „sogar die Infrastruktur“ sei neu.

Im Juni 2026 sprach Kojima in einem großen Feature von Entertainment Weekly zum 25. Geburtstag von Xbox etwas offener. Die Idee zu OD habe er schon seit der Arbeit am ersten Death Stranding gehabt und lange allein daran gearbeitet. Er habe das Konzept vielen großen und kleinen Firmen vorgestellt, und alle hätten ihm gesagt, er sei verrückt. Erst Xbox unter Phil Spencer habe zugesagt. Sein Ziel sei es, über die Grenze der „Gruseligkeit“ hinauszugehen, die andere Spiele bisher erreicht haben.

Spannend finde ich einen Nebensatz: Für Spieler, die aufhören würden, wenn es zu gruselig wird, habe er sich ein System überlegt, mit dem sie trotzdem weiterspielen können. Mehr wollte er nicht sagen, um nichts zu verraten. Das passt zu Kojima: Schon Death Stranding 2 bietet bei Bossen nach einer Niederlage die Möglichkeit, den Kampf als gewonnen zu werten. Häufig wird spekuliert, dass OD die Reaktionen der Spieler messen oder auswerten könnte. Offiziell bestätigt ist ein solches „Angst-Messgerät“ aber nicht. Bestätigt ist nur das Ziel, die Angstschwelle zu testen.

Die Besetzung: Sophia Lillis, Hunter Schafer und Udo Kier

Wie bei Death Stranding setzt Kojima auch bei OD auf bekannte Gesichter aus Film und Serie. Für die Hauptrollen wurden 2023 drei Namen bestätigt:

  • Sophia Lillis, bekannt als junge Beverly Marsh aus den Es-Filmen und aus Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben. Sie ist das Gesicht des Knock-Teasers und des neuen Plakats.
  • Hunter Schafer, bekannt aus Euphoria, Die Tribute von Panem: The Ballad of Songbirds & Snakes und dem Horrorfilm Cuckoo.
  • Udo Kier, die deutsche Kultfigur aus unzähligen Kult- und Horrorfilmen wie Andy Warhols Frankenstein.

Traurig ist die Geschichte um Udo Kier. Der Schauspieler ist am 23. November 2025 im Alter von 81 Jahren gestorben. Kojima erzählte später in Koji10, Kier habe sich sehr auf das Projekt gefreut und gemeinsam mit Hunter Schafer an einem dreitägigen Scan teilgenommen. Ob und wie seine Aufnahmen im fertigen Spiel zu sehen sein werden, hat Kojima bisher nicht gesagt. Für uns als deutsches Magazin ist das ein besonders bitterer Punkt, denn OD wäre eine seiner letzten großen Rollen gewesen.

Jordan Peele und Kojimas „Horror-Avengers“

Jordan Peele ist der prominenteste Name neben Kojima. Der Regisseur von Get Out, Wir und Nope ist laut Kojima Productions „einer von mehreren talentierten Geschichtenerzählern“. Schon bei der Ankündigung betonte Kojima, dass es nicht nur um Peele gehe, sondern dass weitere kreative Partner beteiligt seien. Diese Gruppe nennt er gern seine „Avengers“ des Horrors. Namen hat er bisher aber nicht offiziell genannt.

Im September 2025 wurde klarer, wie das aussehen könnte. Der Untertitel des neuen Teasers lautete „Knock“, und Kojima erklärte, das sei sein Teil: Er gestalte die Angst vor dem Klopfen, weil er selbst laute Klopfgeräusche wirklich fürchte. Jordan Peele werde eine andere Art von Angst umsetzen. Vieles deutet daher auf ein Anthologie-Format hin, in dem jeder Kreative ein eigenes Segment mit einer eigenen Angst gestaltet. Ganz offiziell bestätigt ist diese Struktur aber noch nicht.

Und was ist mit Nicolas Winding Refn? Der dänische Regisseur ist ein enger Freund von Kojima und lieh in Death Stranding der Figur Heartman sein Aussehen. Eine offizielle Beteiligung an OD gibt es nach allem, was wir finden konnten, aber nicht. Wer ihn in Foren als Teil der „Horror-Avengers“ handelt, spekuliert.

OD – Knock: Der Teaser, der an P.T. erinnert

Den bisher wichtigsten Blick auf OD gab es im September 2025 beim Livestream „Beyond The Strand“ zum 10. Geburtstag von Kojima Productions. Dort zeigte das Studio den Teaser „OD – Knock“. Er ist in der Ego-Perspektive gefilmt und wirkt wie Gameplay: Sophia Lillis bekommt durch einen Türspalt eine rote Karte mit einer Anweisung, betritt einen fast leeren Raum und zündet nach und nach Kerzen auf einem Altar an. Mit jeder Kerze wird das Klopfen an der Tür lauter, bis die Kamera umschwenkt, wir ihr panisches Gesicht sehen und große graue Hände nach ihr greifen.

Natürlich fühlen sich viele sofort an P.T. erinnert, den spielbaren Teaser zum abgesagten Silent Hills. Phil Spencer nannte OD bei dem Event „mutig, einzigartig und unverkennbar von diesem Studio“. Kojima verriet außerdem, dass das Team reale gruselige Orte auf der ganzen Welt scannen wolle. Halb im Scherz sagte er, er wolle als Erster einen Geist scannen.

OD Kojima: Die rote Tür aus dem Teaser OD – Knock
Die rote Tür aus dem Teaser „OD – Knock“. (Bild: Kojima Productions / Xbox Game Studios)

Im Juni 2026 folgte dann ein erstes Standbild aus dem Entertainment-Weekly-Feature: ein düsterer, gelblich gestrichener Flur mit vielen Türen, ein alter Fernseher, auf dem offenbar Sophia Lillis zu sehen ist, und eine unheimliche Gestalt in einem Türrahmen. Am 30. Oktober 2026 hat Kojima Productions schließlich ein neues Plakat zu OD – Knock veröffentlicht. Es zeigt Sophia Lillis, die zu einem rätselhaften roten Objekt hinaufschaut, dazu der Slogan „For all players and screamers“. Seit dem 31. Oktober ist in der Ausstellung „Beyond The Strand“ in den Azabudai Hills in Tokio sogar die rote Tür aus dem Teaser nachgebaut zu sehen, die Ausstellung läuft bis zum 20. Dezember 2026.

Streik, Stillstand und Neustart: Die Entwicklung 2025 und 2026

Warum dauert das alles so lange? Ein Grund ist der Streik der US-Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA im Videospielbereich, der rund ein Jahr dauerte. Weil OD stark auf Performance-Capture mit Hollywood-Schauspielern setzt, lagen genau diese Aufnahmen lange auf Eis. Laut Kojima arbeitete das Team in der Zwischenzeit mit Stand-ins für eine vorläufige Version, die nun aufwendig ersetzt werden muss.

Bei der Xbox-Show zur Tokyo Game Show 2026 am 17. September gab Kojima dann Entwarnung: Performance-Capture und Sprachaufnahmen seien wieder aufgenommen worden, die Produktion laufe nach Plan. Sophia Lillis, Hunter Schafer und das Team hätten intensive und herausragende Leistungen abgeliefert. OD sei eine völlig neue Art von Spiel, die die Schwellen der Angst testet, und nehme nach vielen Experimenten langsam Gestalt an. In Koji10 ergänzte er später, gedreht werde seit Juni und noch bis Ende des Jahres, die Nachsynchronisation ziehe sich bis 2027.

Ebenfalls wichtig: Als Microsoft im Sommer 2026 seine Spieleinvestitionen neu sortierte und mehrere Projekte auf den Prüfstand stellte, blieb OD laut Berichten verschont. Die neue Xbox-Chefin Asha Sharma bezeichnete OD im EW-Feature sogar als „ein zutiefst bewegendes Spiel“, das „eine andere Art von Spiel“ verkörpere.

OD, Physint und Death Stranding 2: Kojimas Xbox-Zukunft

Um OD einzuordnen, lohnt ein Blick auf Kojimas andere Projekte. Death Stranding 2: On the Beach ist im Juni 2025 für die PS5 erschienen, wie schon der erste Teil mit Sony als Partner. OD war von Anfang an ein reines Xbox-Projekt, bei dem Microsoft nicht nur veröffentlicht, sondern laut Phil Spencer auch technisch mitarbeitet.

Im September 2026 kam dann die große Überraschung: PHYSINT, Kojimas Action-Spionage-Spiel, das im Januar 2024 noch mit Sony angekündigt worden war, erscheint nun ebenfalls bei Xbox. Laut Kojima hatte PlayStation das Projekt Mitte Juni überraschend gekündigt, Xbox sprang ein. Bei der Tokyo Game Show wurde Bill Skarsgård als Hauptdarsteller bestätigt. Mehr dazu in unserer News zu PHYSINT.

Damit arbeitet Kojima Productions an zwei neuen Marken für Xbox, und die Partnerschaft soll sogar auf Film und Fernsehen ausgeweitet werden. Die Reihenfolge ist klar: OD kommt zuerst, PHYSINT gilt als deutlich längerfristiges Projekt. Für Xbox ist OD damit auch ein Testlauf für eine Beziehung, die in den nächsten Jahren sehr wichtig werden könnte.

Release und Plattformen: Was wir noch nicht wissen

Hier wird es kurz, denn offiziell gibt es kaum etwas:

  • Release: Es gibt weder ein Datum noch einen Zeitraum. Weil die Nachsynchronisation bis 2027 läuft, rechne ich nicht vor 2027 mit dem Release.
  • Plattformen: Offiziell bestätigt sind noch keine. Weil Xbox Game Studios das Spiel veröffentlicht, gelten Xbox Series X|S und PC als naheliegend. Ob und wie die Cloud eine Rolle spielt, ist offen.
  • Umfang und Format: Vermutlich eine Anthologie mit mehreren Segmenten, Kojimas Teil heißt „Knock“. Wie groß das Spiel wird, ist unbekannt.
  • Preis: Noch nicht bekannt.

Gerade das Thema Cloud wirft Fragen auf. 2023 klang es so, als sei die Cloud-Technologie ein zentraler Baustein. Seitdem ist davon öffentlich kaum noch die Rede, stattdessen fallen Begriffe wie Unreal Engine 5 und neues Spielsystem. Ob OD am Ende nur in der Cloud läuft, Daten der Spieler in der Cloud auswertet oder ganz normal lokal installiert wird, wissen wir schlicht nicht.

Meine Meinung: Kojimas mutigstes Experiment seit P.T.

Ich bin ehrlich: Ich liebe Kojimas Wahnsinn, und OD ist genau die Art Projekt, für die ich ihn feiere. Nach zwei riesigen Death-Stranding-Spielen traut er sich wieder an etwas Kleines, Konzentriertes und Unbequemes. Der Knock-Teaser zeigt, dass er Horror verstanden hat: wenig Raum, eine einfache Handlung, ein Geräusch und eine wachsende Panik. Mehr braucht guter Horror nicht.

Gleichzeitig ist OD ein riesiges Risiko. Ein Spiel, das Kojima selbst als „neue Form von Medium“ bezeichnet, kann großartig werden oder an seinen eigenen Ansprüchen scheitern. Dazu kommen der Streik, der Tod von Udo Kier und die Frage, wie viel von der ursprünglichen Cloud-Idee übrig bleibt. Und nicht ohne Grund witzeln Fans schon, OD stehe für „Only Demo“, in Erinnerung an P.T.

Trotzdem glaube ich an das Projekt. Mit Jordan Peele, Sophia Lillis und Hunter Schafer hat Kojima ein Team, das Horror kann, und mit Xbox einen Partner, der ihm offenbar viel Freiheit lässt. Wenn OD auch nur halb so verstörend wird wie P.T., bekommen wir eines der spannendsten Horrorspiele der nächsten Jahre. Sobald es neue Infos gibt, lest ihr sie bei uns. Und jetzt seid ihr dran: Freut ihr euch auf OD oder seid ihr nach P.T. vorsichtig geworden?

Mehr zum Studio findet ihr auf unserer Seite zu Kojima Productions und zu Xbox Game Studios.