Farming-Sims: zu viele Stardew-Klone?

Jedes Jahr erscheinen Dutzende Farming-Sims mit Pixel-Hof, Dorf und Heiratskandidaten. Viele nennen sie abfällig Stardew-Klone. Meine Meinung: Das Problem sind nicht die Vorbilder, sondern Spiele, die nur kopieren und nichts Eigenes säen.

Als Redakteurin für Cozy, Sims und Farming lande ich gefühlt jede Woche auf einem neuen Hof. Und ja, manchmal habe ich ein Déjà-vu: Großvaters Brief, verwilderter Acker, ein freundlicher Bürgermeister. Trotzdem halte ich die pauschale Kritik an angeblichen Stardew-Klonen für zu einfach.

Auch Stardew Valley hat abgeschaut

Wer über Klone spricht, sollte wissen, wo alles anfing. 1996 erschien in Japan Bokujō Monogatari, im Westen als Harvest Moon bekannt. Erfunden hat es Yasuhiro Wada, inspiriert von seiner Kindheit auf dem Land.

Eric Barone hat Stardew Valley ursprünglich selbst als eine Art Harvest-Moon-Klon begonnen, um das Programmieren zu lernen. Er war großer Fan der Reihe und fand auf dem PC einfach keinen passenden Ersatz. Wada sagte 2016 in einem Interview, Stardew Valley führe das Erbe des ersten Harvest Moon sehr gut fort, gerade wegen der Freiheit, die es Spielern lässt.

Für mich ist das der Kern der Debatte: Stardew Valley war kein Klon, weil es nicht bei der Kopie stehen blieb. Es hat Systeme verbessert, Kochen mit echtem Nutzen versehen, Minen und Beziehungen ausgebaut.

Warum Stardew den Maßstab setzt

Zum zehnten Jubiläum im Februar 2026 meldete Barone 50 Millionen verkaufte Exemplare. Dazu hat er das Spiel über ein Jahrzehnt mit kostenlosen Updates erweitert und ein weiteres angekündigt. Damit ist die Messlatte für jede neue Farming-Sim absurd hoch.

Kein Wunder also, dass Studios sich an diesem Erfolg orientieren und so viele vermeintliche Stardew-Klone entstehen. Wer ein Spiel mit Hof, Saisons und Dorfgemeinschaft macht, wird zwangsläufig verglichen. Die Frage ist nur, ob das Spiel diesem Vergleich etwas entgegensetzen kann.

Moonfrost: Felder und Häuser im Dorf aus der Vogelperspektive
Moonfrost setzt auf klassisches Dorfleben mit Feldern, ergänzt um eine düstere Story.

Dazu kommt ein Punkt, der in der Debatte gern untergeht: Farming-Sims leben von Routine. Gießen, ernten, verkaufen, Freundschaften pflegen. Diese Schleife ist kein Zeichen von Ideenlosigkeit, sondern das Fundament des Genres. Entscheidend ist, was ein Spiel um diese Schleife herum baut, also Geschichte, Welt, Figuren und das Gefühl, dass meine Arbeit etwas verändert.

Fields of Mistria: Klon oder Weiterentwicklung?

Das beste Gegenbeispiel zur Klon-These ist für mich Fields of Mistria von NPC Studio. Auf den ersten Blick ist alles vertraut: Hof, Dorf, Romanzen. Trotzdem hat das Spiel mit seinem 90er-Anime-Look, Magie und vielen Komfortfunktionen eine eigene Identität.

Die Spieler sehen das offenbar genauso. Am 5. August 2026 verließ das Spiel nach genau zwei Jahren den Early Access, und NPC Studio meldete in derselben Woche über eine Million verkaufte Exemplare. Auf Steam liegen die Bewertungen bei äußerst positiv.

Das zeigt: Der Markt ist nicht gesättigt, und nicht jedes Spiel mit Hof gehört in die Schublade der Stardew-Klone. Wer Stardew-Fans etwas Eigenes bietet, findet ein riesiges Publikum.

Wo neue Ideen wachsen

Die spannendsten Farming-Spiele der letzten Zeit sind für mich die, die das Genre mit etwas Fremdem kreuzen. Emberville von Cygnus Cross verbindet den Wiederaufbau einer Stadt mit Kämpfen im Stil eines Action-RPGs. Das ist mehr als ein Hof mit Schwert, weil beide Hälften sich gegenseitig antreiben.

Emberville: Eigenes Anwesen mit Feldern und Haus
In Emberville gehören Felder und Kämpfe zusammen.

Moonfrost von Oxalis Games mischt Farming und Dorfaufbau mit einer erstaunlich düsteren Geschichte um einen zweiten Mond. Solarpunk wiederum macht aus dem Survival-Prinzip ein optimistisches Aufbauspiel mit Gärten auf schwebenden Inseln.

Solarpunk: Gewächshaus und Beete im Abendlicht
Solarpunk verbindet Gärtnern mit einem friedlichen Survival-Ansatz.

Woran ich echte Stardew-Klone erkenne

Ich habe mir über die Jahre eine kleine Checkliste angewöhnt. Wenn mehrere Punkte zutreffen, bin ich skeptisch:

  • Der Einstieg ist fast identisch, inklusive geerbtem Hof und Brief.
  • Die Figuren sind bekannte Archetypen ohne eigene Geschichte.
  • Neue Systeme fühlen sich angeklebt an und greifen nicht ineinander.
  • Die Optik kopiert Stardew-Pixel-Art, ohne eigenen Stil zu finden.
  • Es gibt keinen Grund, das Spiel statt Stardew Valley zu spielen.

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein Spiel darf sich vertraut anfühlen. Es muss mir aber einen Grund geben, meine Zeit dort zu verbringen und nicht auf meiner alten Farm in Pelican Town.

Mein Fazit: Zu viele schwache Klone, aber kein Genre-Problem

Ja, es gibt zu viele Stardew-Klone, die nur abpausen. Aber Farming als Genre ist nicht übersättigt, es ist erwachsen geworden. Harvest Moon hat Stardew Valley inspiriert, Stardew inspiriert heute Fields of Mistria, Emberville und Moonfrost. So funktioniert ein lebendiges Genre.

Ich wünsche mir von Studios mehr Mut zur eigenen Idee und von Spielern etwas mehr Geduld mit Neuem. Welche Farming-Sim ist für euch mehr als ein Klon? Schreibt es mir in die Kommentare.