Call of Duty braucht endlich eine Pause

Call of Duty braucht endlich eine Pause. Gestern ist mit Modern Warfare 4 schon wieder ein neuer Teil erschienen, nur elf Monate nach Black Ops 7. Ich spiele die Reihe seit vielen Jahren gern, aber der jährliche Rhythmus schadet ihr inzwischen mehr, als er ihr nützt. Ein Kommentar.

Jedes Jahr ein neues Call of Duty

Seit dem ersten Teil im Oktober 2003 ist Call of Duty eine der erfolgreichsten Reihen der Spielegeschichte. Laut Activision wurden bis April 2021 über 400 Millionen Vollpreis-Spiele verkauft. Dieser Erfolg ist hart erarbeitet, er hat aber auch einen Preis: Fast jedes Jahr erscheint ein neues Hauptspiel, und die Studios wechseln sich dabei ab.

Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt das Problem. Modern Warfare II kam 2022, Modern Warfare III 2023, Black Ops 6 2024 und Black Ops 7 am 14. November 2025. Am 23. Oktober 2026 folgte Modern Warfare 4 für PS5, Xbox Series X|S, PC und erstmals Nintendo Switch 2. Wer jedes Jahr zum Vollpreis einsteigt, kauft also immer wieder ein Spiel, das dem Vorgänger sehr ähnlich ist.

Activision hat das Problem selbst erkannt

Nach dem schwachen Start von Black Ops 7 schrieb das Call-of-Duty-Team im Dezember 2025 in einer offiziellen Nachricht an die Community, dass die Reihe die Erwartungen einiger Fans nicht voll erfüllt hat. Gleichzeitig kündigte Activision an, künftig keine zwei Modern-Warfare- oder Black-Ops-Teile mehr direkt hintereinander zu veröffentlichen. Das ist ein richtiger Schritt, aber eben nur ein halber: Der jährliche Release bleibt.

Call of Duty Pause: Soldat vor einem brennenden Gebäude in Modern Warfare 4
Modern Warfare 4 ist am 23. Oktober 2026 erschienen, nur elf Monate nach Black Ops 7.

Warzone gegen das Hauptspiel

Seit März 2020 gibt es mit Warzone einen kostenlosen Battle-Royale-Ableger. Laut Activision haben ihn schon nach etwas mehr als einem Jahr über 100 Millionen Spieler ausprobiert. Warzone ist damit für viele längst das eigentliche Call of Duty geworden, und das Spiel wird mit jedem neuen Hauptteil an Waffen, Operator und Saisoninhalte angepasst.

Genau hier entsteht ein Widerspruch. Das Hauptspiel kostet Geld und muss sich jedes Jahr neu verkaufen. Warzone ist gratis und soll Spieler möglichst lange halten. Beide Spiele konkurrieren um dieselbe Zeit und dieselben Spieler. Jeder neue Teil fühlt sich dadurch weniger wie ein eigenes Spiel an und mehr wie ein großes Update für ein Ökosystem, das ohnehin weiterläuft.

Shop, Battle Pass und Bundles

Hinzu kommt die Monetarisierung. In Black Ops 7 kostet der Battle Pass laut Activision-Support 1.100 COD Points, das Battle-Pass-Bundle 2.400 COD Points. Darüber steht BlackCell mit exklusiven Operator-Skins und Blaupausen, dazu kommen laut dem offiziellen Season-01-Überblick neue Bundles im Shop. Das ist für sich genommen nicht verwerflich, Free-to-Play-Spiele finanzieren sich genauso. Bei einem Spiel, das jedes Jahr neu gekauft werden soll, fühlt es sich aber anders an.

Ich finde: Wenn ein Spiel nach zwölf Monaten vom Nachfolger abgelöst wird, rückt auch das, was ihr darin gekauft habt, schnell in den Hintergrund. Eine längere Lebensdauer pro Teil würde diese Investitionen deutlich fairer machen.

Innovation oder nur der Markenname?

Activision verspricht in der Nachricht vom Dezember 2025 ausdrücklich Innovation, die „bedeutsam und nicht nur schrittweise“ sein soll. Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis. Denn genau das war in den letzten Jahren der größte Kritikpunkt: neue Karten, neue Waffen, ein neues Bewegungssystem, aber kaum mutige Ideen.

Für mich entstanden die besten Momente der Reihe, als sich die Studios Zeit nahmen, etwa mit Call of Duty 4: Modern Warfare aus dem Jahr 2007 oder dem ersten Call of Duty: Black Ops von 2010. Solche Sprünge entstehen selten in einem Zeitplan, bei dem der nächste Teil schon feststeht, bevor der aktuelle erscheint.

Warum Call of Duty eine Pause braucht

Ich glaube nicht, dass Call of Duty verschwinden muss. Ich glaube aber, dass die Reihe eine echte Pause verdient hat: zwei Jahre Entwicklungszeit pro Teil statt einem, ein Hauptspiel, das länger mit Inhalten versorgt wird, und Warzone als stabile Basis dazwischen. Die Seasons zeigen, dass Activision ein Spiel lange unterstützen kann. Warum also nicht auch das Hauptspiel?

Für die Spieler wäre das ein Gewinn: weniger Vollpreis-Käufe, Inhalte mit längerem Wert und mehr Zeit für echte Neuerungen. Und für die Marke wäre es wohl die beste Chance, wieder zu überraschen, statt nur zu liefern. Call of Duty braucht endlich eine Pause, nicht weil es schlecht ist, sondern weil es zu gut ist, um sich jedes Jahr nur zu wiederholen.

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Dies ist ein Meinungsartikel und gibt die persönliche Sicht des Autors wieder.