Live-Service-Spiele haben ein Problem: Niemand kann sie alle spielen

Live-Service-Spiele haben ein Problem: Niemand kann sie alle spielen. Fast jedes große Online-Spiel will heute täglich gespielt werden, mit Battle Pass, Dailies und zeitlich begrenzten Events. Doch die Freizeit der Spieler wächst nicht mit. Ein Kommentar.

Zu viele Spiele, zu wenig Zeit

Live-Service-Spiele sind darauf ausgelegt, über Jahre gespielt zu werden. Sie erscheinen oft kostenlos, verdienen ihr Geld im Shop und halten ihre Community mit regelmäßigen Seasons bei Laune. Destiny 2 ist zum Beispiel seit dem 1. Oktober 2019 kostenlos spielbar, Marvel Rivals startete im Dezember 2024 als Free-to-Play-Titel und erreichte laut NetEase innerhalb von 72 Stunden über 10 Millionen Spieler.

Das Problem: Jedes dieser Spiele möchte nicht nur gespielt werden, sondern das bevorzugte Hobby sein. Ein Abend hat aber nur wenige Stunden, und neben Arbeit, Schule, Familie und Freunden bleibt oft nur ein kleines Zeitfenster. Wer zwei oder drei solcher Spiele parallel ernsthaft verfolgen will, merkt schnell, dass das kaum möglich ist.

Live-Service-Spiele: Thanos mit dem Infinity-Handschuh in Marvel Rivals
Marvel Rivals erreichte laut NetEase innerhalb von 72 Stunden über 10 Millionen Spieler.

Battle Pass, Dailies und Events

Der Battle Pass ist das Herz vieler Live-Service-Spiele. Ihr kauft ihn für eine Season und schaltet durch Spielen Belohnungen frei. Dazu kommen tägliche und wöchentliche Aufgaben, die zusätzliche Erfahrungspunkte bringen. Wer einen Tag auslässt, verpasst Fortschritt, und wer eine Season verpasst, verpasst oft auch die Belohnungen.

Marvel Rivals zeigt, wie hoch das Tempo inzwischen ist. Laut NetEase waren die ersten Seasons auf rund drei Monate angelegt und in zwei Hälften geteilt, mit neuen Helden zu Beginn jeder Hälfte. Auch das Call-of-Duty-Team bezeichnet die erste Season von Black Ops 7 als „größte Live-Season aller Zeiten“. Für Fans ist das großartig, für alle anderen wird es zur Pflicht.

Die Angst, etwas zu verpassen

Zeitlich begrenzte Events verstärken diesen Druck. Ein Skin, der nur zwei Wochen verfügbar ist, ist eine bewusste Entscheidung des Designs. Sie sorgt dafür, dass ihr euch regelmäßig einloggt. Das funktioniert, aber es fühlt sich oft eher wie ein Termin an als wie Freizeit. Und wer mehrere solcher Spiele spielt, hat am Ende mehrere Terminkalender gleichzeitig.

Auch gute Live-Service-Spiele scheitern

Der Kampf um die Zeit der Spieler trifft nicht nur schwache Spiele. Concord erschien am 23. August 2024 für PS5 und PC. Schon am 3. September kündigte Entwickler Firewalk auf dem PlayStation Blog an, das Spiel ab dem 6. September offline zu nehmen und allen Käufern das Geld zu erstatten. Im Oktober 2024 gab Sony in einem offiziellen Update bekannt, Concord endgültig einzustellen und Firewalk zu schließen.

Auch XDefiant hatte laut Ubisoft einen „ermutigenden Start“ und eine treue Community. Trotzdem gab der Publisher im Dezember 2024 offiziell bekannt, dass es nicht gelungen sei, langfristig genug Spieler zu gewinnen und zu halten. Die Server liefen noch bis Juni 2025, danach war Schluss. Ein solides Spiel reicht also nicht, wenn die Spieler bereits in anderen Live-Service-Spielen gebunden sind.

Was Live-Service-Spiele besser machen könnten

Ich glaube nicht, dass Live-Service-Spiele per se schlecht sind. Viele bieten über Jahre großartige Inhalte für wenig oder gar kein Geld. Aber sie sollten akzeptieren, dass sie nicht das einzige Spiel im Leben ihrer Spieler sind. Ein Battle Pass, der nicht abläuft, Events, die später zurückkehren, und Fortschritt, der auch bei zwei Abenden pro Woche funktioniert, würden schon viel helfen.

Dass es auch anders geht, zeigen Spiele, die man einmal kauft und dann in seinem eigenen Tempo genießt. Ein gutes Beispiel ist Palworld, das Updates liefert, ohne tägliche Pflichten zu verlangen. Am Ende gewinnt nicht das Spiel mit den meisten Aufgaben, sondern das, zu dem man gern zurückkehrt. Live-Service-Spiele haben ein Problem, und die Lösung ist mehr Respekt vor der Zeit der Spieler.

Warum auch Call of Duty unter diesem Tempo leidet, erklären wir im Kommentar Call of Duty braucht endlich eine Pause.

Dies ist ein Meinungsartikel und gibt die persönliche Sicht des Autors wieder.