Auf den ersten Blick klingt Far Far West wie eine völlig verrückte Idee. Cowboy-Roboter, Magie, Monster und ein Koop-Extraction-Shooter in einer Weird-West-Welt passen eigentlich kaum zusammen. Genau diese Mischung macht den Titel von Evil Raptor jedoch zu einem der größten Überraschungserfolge des Jahres. Bereits während des Steam Next Fest entwickelte sich das Spiel zum Geheimtipp, und auch nach dem Start in den Early Access begeistert es tausende Spieler mit einem Gameplay, das Erinnerungen an Deep Rock Galactic, Helldivers 2 und Vermintide weckt, dabei aber dennoch einen eigenen Charakter besitzt.
Gameplay mit hohem Suchtpotenzial
Der Kern des Spiels ist schnell erklärt. Bis zu vier Spieler schließen sich zu einer Gruppe von Kopfgeldjägern zusammen und nehmen Aufträge des Sheriffs an. Jede Mission führt in ein anderes Gebiet, in dem Gegner besiegt, Ziele erfüllt und wertvolle Beute eingesammelt werden muss. Anschließend gilt es, den Einsatz erfolgreich zu verlassen und die Belohnung zu kassieren.
Was zunächst simpel klingt, entwickelt sich schnell zu einem erstaunlich tiefen Gameplay-Loop. Neue Waffen, Zauber und Ausrüstung verändern den eigenen Spielstil deutlich. Statt nur mit Revolvern oder Schrotflinten zu kämpfen, kombiniert man Feuerbälle, Blitzmagie oder andere Spezialfähigkeiten mit klassischen Schusswaffen. Dadurch entstehen ständig neue Strategien, insbesondere wenn mehrere Spieler ihre Fähigkeiten miteinander kombinieren.
Allein lässt sich Far Far West zwar ebenfalls spielen, doch seine größte Stärke entfaltet das Spiel eindeutig im Koop. Die Abstimmung innerhalb der Gruppe, spontane Rettungsaktionen und chaotische Kämpfe gegen riesige Gegner sorgen regelmäßig für unterhaltsame Momente. Gerade mit Freunden entstehen Situationen, die man noch lange in Erinnerung behält.
Verrücktes Setting mit viel Charme
Während viele Koop-Shooter auf militärischen Realismus setzen, geht Far Far West einen völlig anderen Weg. Die Entwickler erschaffen eine Welt voller Geisterzüge, verfluchter Minen, untoter Skelette und magischer Naturgewalten. Gleichzeitig bleibt der klassische Western-Look mit Saloons, Kakteen und staubigen Wüsten jederzeit erhalten.
Diese Mischung wirkt erstaunlich stimmig. Das Spiel nimmt sich selbst nie zu ernst und lebt von seinem Humor sowie seiner kreativen Weltgestaltung. Die Roboter-Cowboys besitzen viel Persönlichkeit, obwohl kaum eine klassische Geschichte erzählt wird. Statt langer Zwischensequenzen steht die Atmosphäre im Mittelpunkt.
Grafik und Technik
Grafisch zählt Far Far West zwar nicht zu den aufwendigsten Spielen des Jahres, überzeugt aber mit einem sehr gelungenen Comic-Look. Die farbenfrohen Landschaften, dynamischen Lichteffekte und kreativen Gegnerdesigns sorgen dafür, dass jede Mission optisch abwechslungsreich bleibt.
Auch technisch macht das Spiel einen guten Eindruck. Die Performance fällt selbst auf Mittelklasse-Hardware sehr ordentlich aus, und Ladezeiten bleiben angenehm kurz. Da sich das Spiel noch im Early Access befindet, treten vereinzelt kleinere Bugs oder Serverprobleme auf. Besonders in den ersten Tagen nach dem Release hatten einige Spieler Schwierigkeiten, öffentliche Lobbys zu finden. Ursache war allerdings der enorme Spieleransturm, der die Server deutlich stärker belastete als erwartet. Die Entwickler reagierten schnell und veröffentlichten mehrere Updates zur Verbesserung der Stabilität.
Sound und Atmosphäre
Auch akustisch macht Far Far West vieles richtig. Western-Musik trifft auf moderne Action-Sounds und sorgt für einen ganz eigenen Stil. Revolver, Gewehre und magische Fähigkeiten klingen kraftvoll und verleihen den Kämpfen ordentlich Wucht.
Besonders gelungen ist die Geräuschkulisse während der Missionen. Das Heulen des Windes, entfernte Monstergeräusche oder das Donnern eines Geisterzuges sorgen regelmäßig für spannende Momente. Zwar gibt es keine besonders tiefgehende Story, doch die Atmosphäre entschädigt dafür problemlos.
Langzeitmotivation
Der größte Pluspunkt des Spiels ist eindeutig seine Motivation. Neue Waffen freischalten, Ausrüstung verbessern und schwierigere Aufträge absolvieren sorgen für einen ständigen Fortschritt. Hinzu kommt, dass sich jede Mission durch unterschiedliche Gegner, Teamzusammenstellungen und Zufallselemente leicht anders spielt.
Trotzdem merkt man dem Spiel seinen Early-Access-Status an. Einige Spieler wünschen sich bereits mehr Karten, zusätzliche Bosse und weitere Waffenklassen. Auch die Entwickler haben angekündigt, den Umfang bis zur Version 1.0 deutlich auszubauen. Die Community zeigt sich insgesamt äußerst zufrieden und bewertet das Spiel auf Steam mit 96 % positiven Rezensionen, was für einen Early-Access-Titel außergewöhnlich ist.
Far Far West gehört zu den größten Indie-Überraschungen des Jahres 2026. Der ungewöhnliche Mix aus Western, Magie und Koop-Extraction-Shooter funktioniert deutlich besser, als man zunächst vermuten würde. Vor allem das spaßige Gameplay, die hervorragende Koop-Erfahrung und das kreative Setting sorgen dafür, dass man immer wieder eine weitere Mission starten möchte.
Die fehlende Story und der noch begrenzte Umfang verhindern zwar eine absolute Spitzenwertung, doch dafür befindet sich das Spiel schließlich noch im Early Access. Schon jetzt liefert Evil Raptor jedoch ein erstaunlich rundes Fundament, das mit zukünftigen Updates noch deutlich wachsen dürfte. Wer gerne mit Freunden Koop-Shooter spielt und Lust auf ein frisches, ungewöhnliches Setting hat, sollte Far Far West unbedingt im Auge behalten.




















