Bulkhead

Bulkhead: Der britische Shooter-Entwickler hinter Wardogs und Battalion 1944

Bulkhead ist ein unabhängiger britischer Spieleentwickler aus Derby, der sich auf Multiplayer-Shooter spezialisiert hat. Das Studio wurde 2014 gegründet, ist heute auf mehr als 100 Mitarbeiter gewachsen und steht mit dem taktischen Großschlachten-Shooter Wardogs so stark im Rampenlicht wie nie zuvor. Wer verstehen will, wie aus einer kleinen Absolventen-Truppe ein ernstzunehmender Name im FPS-Genre wurde, muss die Geschichte von Bulkhead von Anfang an betrachten.

Die Anfänge in Derby

Die Wurzeln des Studios liegen in der englischen Stadt Derby. Mehrere junge Entwickler, die sich an der dortigen Universität kennengelernt hatten, arbeiteten zunächst in zwei kleinen Firmen, Deco Digital und Bevel Studios, die sich ein Büro teilten. Beide Teams schlossen sich zusammen, und aus dem Zusammenschluss entstand Bulkhead, damals noch unter dem Namen Bulkhead Interactive. Das Unternehmen nennt 2014 als Gründungsjahr und startete mit nur sechs Entwicklern. Als Gründerteam und Führungsriege werden Joe Brammer, Kevin Chandler und Mark Pinney genannt, wobei Joe Brammer als Geschäftsführer des Studios auftritt.

Frühe Spiele: Pneuma und The Turing Test

Der erste größere Titel war das Ego-Puzzlespiel Pneuma: Breath of Life, das bereits für die Xbox One erschien. Das Team war laut eigenen Angaben eines der ersten, das ein Spiel mit der Unreal Engine 4 auf einer Konsole dieser Generation veröffentlichte. Mit The Turing Test folgte 2016 ein Rätselspiel in der Ego-Perspektive, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich menschliche und maschinelle Intelligenz unterscheiden. Als Publisher trat Square Enix auf. Beide Spiele zeigten, dass das Studio sauber mit der Unreal Engine umgehen kann.

Battalion 1944: Der Weltkriegs-Shooter mit Kickstarter-Erfolg

Der große Wendepunkt war Battalion 1944. Das Spiel versteht sich als Liebeserklärung an die klassischen Weltkriegs-Shooter der frühen 2000er, mit schnellem, direktem Gameplay statt Schnickschnack. Die Kickstarter-Kampagne war in weniger als drei Tagen vollständig finanziert, ein Beleg dafür, wie groß der Hunger der Community nach so einem Spiel war. Veröffentlicht wurde der Titel 2019 über Square Enix Collective. Auf Dauer konnte Battalion 1944 allerdings nicht genug Spieler halten, um sich als Massenmarkt-Shooter zu etablieren. Bulkhead veröffentlichte später die kostenlose Version Battalion: Legacy, in der klassische Serversuche und Gamepad-Unterstützung die Matchmaking-Struktur ersetzten, damit Fans weiter in Fünf-gegen-Fünf-Matches antreten konnten.

Vom Indie-Studio zum mittelgroßen Entwickler

Nach Battalion 1944 wuchs Bulkhead deutlich. Im Dezember 2022 wurde das Studio von Splash Damage übernommen, einem Londoner Entwickler, der zum Tencent-Konzern gehört. 2024 wurde aus Bulkhead Interactive schlicht Bulkhead. In dieser Zeit baute das Team eigene Technik auf, das sogenannte War Tech Framework, ein Werkzeugkasten auf Basis der Unreal Engine, der schnellere Entwicklungszyklen für realistische Shooter-Mechaniken ermöglichen soll.

Der Neustart: Super Media Group und everplay

Im Dezember 2025 wurde Bulkhead von einem Konsortium aus Super Media Group, everplay und HIRO Capital von Tencent übernommen. Super Media Group wurde als Holding für das Studio neu gegründet. Der britische Publisher everplay, zu dem auch Team17 gehört, übernahm zunächst 20 Prozent an der Holding für zwei Millionen Pfund und erhöhte den Anteil im Herbst 2026 auf 28 Prozent. Zusätzlich vereinbarten die Partner, gemeinsam an Wardogs zu arbeiten und mögliche Zusammenarbeiten bei künftigen Spielen aus der Hell-Let-Loose-Reihe zu prüfen.

Wardogs: Taktischer Krieg im großen Stil

Wardogs ist das bislang ehrgeizigste Projekt des Studios. Das Spiel ist ein taktischer Ego-Shooter, in dem drei Teams mit bis zu 100 Spielern auf einer dynamischen Karte gegeneinander kämpfen. Bulkhead sieht den Titel als Antwort auf eine Lücke im Markt, zwischen den großen Kriegsspielen wie Battlefield und den hardcore-lastigen Taktikspielen wie Arma. Statt einer klassischen Zwei-Parteien-Schlacht stehen Risiko, Teamplay und taktische Entscheidungen im Mittelpunkt. Der Early Access startete am 10. September 2026 auf Steam, der Preis lag bei 39,99 Euro. Team17 veröffentlicht das Spiel, eine Version für mehrere Plattformen ist für 2027 geplant.

Rekordstart und Lehren aus der Vergangenheit

Der Start verlief überaus erfolgreich. Nach Angaben von everplay verkaufte sich Wardogs am ersten Tag im Early Access mehr als eine Million Mal, und die Zahl gleichzeitiger Spieler lag zeitweise über 400.000. Damit stellte der Titel einen Rekord für die Gruppe auf. Bemerkenswert ist auch die offene Kommunikation des Studios. Bulkhead sprach im Vorfeld offen über die Probleme rund um Battalion 1944 und erklärte, dass genau diese Erfahrungen der Grund für die vorsichtigen Playtests und das transparente Marketing bei Wardogs seien.

Technik und Engine

Bulkhead setzt konsequent auf die Unreal Engine und hat sich durch die jahrelange Arbeit damit viel Know-how im Bereich Multiplayer-Shooter angeeignet. Das War Tech Framework gehört zu den wichtigsten internen Werkzeugen des Studios.

Fazit

Bulkhead hat in gut einem Jahrzehnt einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt: von zwei kleinen Teams in Derby über den Kickstarter-Erfolg mit Battalion 1944 bis zum Rekordstart von Wardogs. Mit starken Partnern im Rücken und einer klaren Vision für große Taktik-Schlachten ist das Studio auf dem besten Weg, sich dauerhaft im Shooter-Genre zu etablieren.

Zwei Dinge zum Gegenprüfen: Beim Gründungsjahr gibt es 2014 (Eigenangabe) und 2015 (Firmenregister), und ob Wardogs auf Unreal Engine 4 oder 5 läuft, habe ich nicht gefunden. Welche Firma kommt als Nächstes?